Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Glauser

Der Irrenhäusler

Aktualisiert am 04.01.2012

Friedrich Glauser zählt heute zu den bedeutenden Schweizer Autoren. Dass sein Leben kein Dessert war, zeigt dieser Dokumentarfilm.

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Glauser

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Ein schwieriger Fall, dieser Friedrich Glauser (1896–1938): ein Irrenhäusler, ein Süchtiger, ein Abhauer. Wurde als Bub in Wien ins Internat gesteckt, als Mann in der Schweiz vom eigenen Vater entmündigt und immer wieder in psychiatrische Kliniken eingewiesen. Dort raubte er den Ärzten die Geduld und den Frauen die Herzen. Riss aus und wies sich selber wieder ein. Flüchtete nach Frankreich, dann nach Italien, wo er eine Nacht vor seiner Hochzeit zusammenbrach. Herzstillstand. Tod. Der Mann war nicht zum Glück geboren.

Diesem Glauser widmet Christoph Kühn nun einen Dokumentarfilm. Es ist ein schwerer Film in düsteren Farben, der zeigt, wie furchtbar es gewesen sein muss damals als Internierter. Dem man per Psychoanalyse eifrig im Unterbewusstsein herumfuhrwerkte, um Verdrängtes ans Tageslicht zu bringen.

Wo bleibt der Werwolf?

Erinnerungen an die früh verstorbene Mutter etwa, wie sie Glauser heimgesucht haben mögen. Die suchen in Kühns Film als Reenactment auch die Kinozuschauer heim. Immer wieder führt eine wacklige Handkamera vor einen leeren Schminktisch, vor ein vergittertes Bettchen, durch das düstere Treppenhaus der Irrenanstalt Münsingen. Das ist furchtbar bedeutungsschwanger, arg bedrückend und wird durch die vielen Wiederholungen nicht besser. Die Stimme, die aus Glausers Aufzeichnungen liest, tut dies ausserdem anstrengend verzweifelt, und warum scheint vor dem vergitterten Fenster der Anstalt immer der Vollmond? Man würde sich bei all der Düsternis nicht wundern, wenn bald ein Werwolf um die Ecke böge.

Toll an diesem Film sind hingegen die atemberaubenden Illustrationen von Hannes Binder (siehe Bild). Ihm gelingt die kunstvolle Verschmelzung von Biografie und Fiktion, die so typisch ist für Glausers Texte. Auch toll: die Interviews. Zum Beispiel mit Glausers Freundin, der rührend bescheidenen Krankenschwester Berthe Bendel, oder mit dem begeisterten Germanisten Hardy Ruoss. Hier kommt ein anderer Glauser zum Vorschein: der verschmitzte, der liebevolle, der Dadaist. Der schelmische Andersdenker, dem der ganze elitäre Literaturbetrieb auf die Nerven ging. Der dagegen anschrieb mit seinen Essays, seinen herzerwärmenden Briefen und den Krimis mit dem unendlich menschlichen Wachtmeister Studer.

Dies alles sorgt zum Glück dafür, dass in «Glauser» neben dem Psychiatriefall ab und zu auch der talentierte Beobachter und Autor aufblitzt – und etwas Licht ins trübselige Dunkel bringt.

Glauser

Regie:Christoph Kühn
Produktion:Switzerland 2011; 72 min.
Genre:Documentary
Erstaufführung:05.01.2012

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1 KOMMENTARE

Vincenzo Altepost

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Die Künslerin Cornelia Forster http://www.adhikara.com/cornelia-forster.html hat 1937 das Buch "Couramma" von Friedrich Glauser illustriert. Hier sind einige dieser Zeichnungen: http://www.adhikara.com/images/disperazione.jpg http://www.adhikara.com/images/tifo.jpg http://www.adhikara.com/images/volto.jpg http://www.adhikara.com/images/trionfo.jpg http://www.adhikara.com/images/lotta.jpg http://www.adhikara.com/images/donna_e_uomo.jpg http://www.adhikara.com/images/donna_di_schiena.jpg http://www.adhikara.com/images/baracca.jpg Freundliche Grüsse Vincenzo Altepost Adhikara Art www.adhikara.com



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