Das Sterben des Geigers
Von Christoph Schneider. Aktualisiert am 21.12.2011
Wo & Wann
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Trailer
Dieser Film von Marjane Satrapi («Persepolis») heisst, wie er heisst, weil Poulet mit Pflaumen einmal die Leibspeise der Hauptfigur war, des Geigers Nasser Ali in Teheran, aber das ist nur ein nebensächlicher Farbtupfer im bunten Nebel eines Lebensdramas. Denn Nasser Ali (Mathieu Amalric) isst gar nichts mehr gern, seit seine Frau im Streit seine Geige zerbrochen hat (keine andere hatte je so einen Zauberklang), sondern sehnt den Tod herbei und nährt sich, solange es dauert mit dem Sterben, nur noch vom Rauch seiner Zigaretten und verschlungenen Erinnerungen.
Da kringeln sich nun sozusagen die Lebensanekdoten über einem Sterbebett. Sie handeln auf eine verspielte, sentimentale und tötelige Art von vergangenem Ruhm und verpasster Liebe und ballen sich zu kleinen, kitschigen Melancholiewölklein.
Zum zweiten Mal hat die iranische, in Paris lebende Comiczeichnerin Marjane Satrapi – zusammen mit ihrem Co-Autor Vincent Paronnaud – eine familiengeschichtlich inspirierte «graphic novel» in Film überführt, dieses Mal in einen veritablen Spielfilm. Durch den feinen ironischen Umgang mit dem gezeichneten Original bereitet einem «Poulet aux prunes» beträchtliches kunsthandwerkliches Vergnügen.
Aber seltsam: Wo sich im Erstling «Persepolis» (2007), einem reinen Trickfilm, noch Haltung und kritische Stosskraft zeigten (ganz ohne Kitsch ging es allerdings auch dort nicht ab), herrscht hier eine in persischer Sehnsucht und Trauer ganz und gar zum Herzigen entschlossene Märchenseligkeit. Oder böser gesagt: die fabelhafte Harm- und Leblosigkeit eines nostalgischen Scherenschnitts.
Poulet aux prunes
| Regie: | Vincent Paronnaud, Marjane Satrapi |
| Produktion: | France, Germany 2011; 91 min. |
| Genre: | Drama |
| Erstaufführung: | 29.12.2011 |
| Darsteller: | Isabella Rossellini, Golshifteh Farahani, Mathieu Amalric, Maria de Medeiros, Chiara Mastroianni |




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