Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Eine ganz heisse Nummer

Bayerisches Lustgestöhn

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 01.02.2012

In einem katholischen Kaff richten drei Freundinnen einen Telefonsex-Service ein.

Üben die Damen hier vielleicht einen flotten Dreier?

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Eine ganz heisse Nummer

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In Bayern kommt der Mann von der Bank persönlich vorbei: Als Todesengel der Krise streicht er drei Freundinnen den Kredit für ihren putzigen Tante-Emma-Laden. (Eine der drei Frauen spielt Gerhard Polts langjährige Lieblingspartnerin, Gisela Schneeberger). Was tun?

Die Autorin Andrea Sixt, die ihren Roman als Drehbuch adaptiert hat, ist bestimmt lange im Kreis herumgegangen, bis sie auf folgende Idee gekommen ist: Um Geld zu verdienen, richtet das Trio einen erotischen Telefonservice ein.

Solche Einfälle kapieren Filmproduzenten sofort: Vor ihrem geistigen Auge erscheint dann ein fideler Mix aus Sex, Katholizismus, Lokalkolorit und einem behäbigen CSU-Bayern als Bösewicht. Und genau so ist diese Komödie auch herausgekommen. Aufs Plakat schreibt man dann: «Wenn Sie ‹Die Herbstzeitlosen› mögen, werden Sie diesen Film lieben!» Werden Sie auf jeden Fall: Beide Filme sind noch braver als die konservative Enge, die sie zu bekämpfen vorgeben. Tut sich das Trio anfangs damit schwer, auf Kommando sexy zu stöhnen, hat es den Dreh bald raus, worauf der Empörungsorkan folgt, angeführt vom Dorfpfarrer und einer Moralwächterin im Dirndl.

So wird Markus Gollers Wohlfühlkomödie zur Fliessbandproduktion von munterer Luschtigkeit, die alles polternd ankündigt, bevor es passiert: Die reaktionäre Pointe ist schliesslich, dass die Frauen ihr Lebensglück ganz in der Nähe finden. So bleiben alle, wo sie sind: Biederer als Katholiken sind lediglich Komödien über sie. Die Frechheit derweil wird zum Industrieprodukt, das rückschrittliche Befindlichkeiten nur auflockert, anstatt sie zu zerpflücken.

Eine ganz heisse Nummer

Regie:Markus Goller
Produktion:Germany 2011; 95 min.
Genre:Comedy
Erstaufführung:02.02.2012
Darsteller:Gisela Schneeberger, Bettina Mittendorfer, Rosalie Thomass, Monika Gruber, Sigi Zimmerschied

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