An das Gute glauben
Von Pascal Blum. Aktualisiert am 08.02.2012
Wo & Wann
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Trailer
Wie lebt man weiter, wenn man Gewalt und Willkür am eigenen Leib erfahren hat? Das fragt der etwas fernsehgerecht geschnittene Dokumentarfilm von Hans Haldimann, der das Bergbauernporträt «Bergauf, bergab» gedreht hat. «Weitereleben» zeigt vier Protagonisten, die Verfolgung und Folter erlebt haben. Eine davon ist eine Nonne aus Tibet, die den Dalai Lama feierte, worauf sie verhaftet und jahrelang gequält wurde.
Ein anderer ist ein Chilene, den Pinochet-Schergen folterten. Eine Frau aus dem Kongo wurde misshandelt, weil ihr Ehemann Diktator Mobutu hinterfragte. Und ein Kurde wurde in der Türkei erst zum Tod verurteilt, bevor er freikam. Vier mutige Menschen, die heute alle in der Schweiz leben. Vor der Kamera reden sie über unvorstellbare Schmerzen und psychisches Leid.
Trotz dauernder Schikanen haben sie ihren Glauben an das Gute bewahrt, was sowohl erstaunlich als auch bewegend ist. Haldimann tut gut daran, sich auf die Gespräche zu konzentrieren, um zu zeigen, dass anderswo Menschen um bürgerliche Rechte kämpfen müssen, die hierzulande mehr oder weniger selbstverständlich sind. Die vier Lebensgeschichten werden denn auch zu einem stillen Plädoyer für die humanitäre Tradition.
Dass der Film dennoch gelegentlich abschweift, ist weniger problematisch als seine übergreifende Struktur, die alles nach Themen ordnet: Erzählt ein Mensch, wie er gefoltert wurde, berührt das, weil wir etwas aus einer persönlichen Biografie erfahren. Erzählen vier Menschen davon, wie sie gefoltert wurden, wird Folter zum blossen Motiv. So schwächen die finsteren Erfahrungen, von denen berichtet wird, einander. Umso wirkungsvoller sind deshalb die hellen Momente: Weinend und lachend zugleich legt der Chilene ein Protestlied aus der Zeit auf, als die Welt noch grosse Versprechen bereithielt.
Weiterleben
| Regie: | Hans Haldimann |
| Produktion: | Switzerland 2012; 92 min. |
| Genre: | Documentary |
| Erstaufführung: | 09.02.2012 |




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