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Lebenschule Tod

Von Julia Marx. Aktualisiert am 18.01.2012

Ein jugendlicher Straftäter soll sich in der Freiheit als Leichenbestatter bewähren.

Egal, was er tut: Diesem Knacki wird immer misstraut.

Egal, was er tut: Diesem Knacki wird immer misstraut.

Atmen

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«Leichenbestatter» dürften die wenigsten Teenager als ihren sehnlichsten Berufswunsch angeben. Roman wohl auch nicht, er bewirbt sich, weil der Job bei «Bestattung Wien» seine letzte Chance ist, vorzeitig aus der Jugendstrafanstalt entlassen zu werden. Wobei sich der im Heim aufgewachsene, verschlossene Junge gar nicht so viel aus der unbekannten Freiheit zu machen scheint. Doch während er lernt, «die richtige Leiche im richtigen Sarg zur richtigen Zeit an den richtigen Ort» zu bringen, lernt er nicht nur Dinge, die den Tod betreffen, sondern auch das Leben.

Dass Wien derzeit als Stadt mit der höchsten Lebensqualität gilt, machen viele dort spielende Filme nicht zwingend einsehbar. Auch das unter anderem am Zurich Film Festival ausgezeichnete Regiedebüt des Schauspielers Karl Markovics führt in eine zunächst kalte Welt, die an den grimmigen Sozialrealismus der Dardennes denken lässt. Aber Markovics’ Realismus ist optimistischer und stilisierter: Zwar wirkt von den Handlungsabläufen der Bestatter bis zum Probeliegen bei Ikea alles wie die reine, abgefilmte Wirklichkeit, aber die Bildausschnitte sind, mithilfe von Kameramann Martin Gschlacht, sorgsam gewählt.

Ihr auch symbolischer Gehalt verbindet sich aufs Sinnfälligste mit der allmählichen Aufklärung dessen, was es mit Romans Tat und seinen Erstickungsängsten auf sich hat. Dabei gewinnt Roman, ebenso wortkarg wie eindringlich gespielt vom tollen Laiendarsteller Thomas Schubert, unsere Sympathie zwar langsam, aber beständig – bis man mit Hoffen und Bangen auf jedes noch so kleine Zeichen wartet, dass er sich aus seiner Versteinerung zu lösen beginnt.

Atmen

Regie:Karl Markovics
Produktion:Austria 2011; 90 min.
Genre:Drama
Erstaufführung:19.01.2012
Darsteller:Thomas Schubert, Karin Lischka, Georg Friedrich, Gerhard Liebmann, Stefan Matousch

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2 KOMMENTARE

Beat Hess

05.03.2012, 08:13
star5

Ein Film über das Leben.


R Zimmermann

31.01.2012, 21:35
star5

So berührt wie dieser hat mich schon lange kein Film mehr. Ich bin sprachlos.



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