Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Headhunters

Jäger und Kunstsammler

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 16.02.2012

Grausiges Versteckspiel der Kopfjäger: Die Verfilmung des norwegischen Krimis von Jo Nesbø ist mehr als solid.

Stimmt schon: Männer sind von Multitasking überfordert.

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Headhunters

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Was wird uns hier geboten fürs Geld? Eine ganze Menge: ein aufgespiesster Hund; fette Zwillinge; spektakuläre Autounfälle; flämische Barockmalerei, ein explodierender Milchkarton und, wieder einmal, eine Verschwörung von Kapitalisten. «Headhunters» ist ein rasanter Grand-Guignol-Thriller aus Norwegen, der eigenartigerweise Personalwesen und Kunstdiebstahl miteinander verquickt.

Roger Brown (Aksel Hennie) nämlich ist ein gerissener Headhunter mit einem bemerkenswerten Nebenjob: Unter dem Deckmantel von Bewerbungsgesprächen fragt er Kandidaten, ob sie wertvolle Bilder besitzen. Sind Frau und Hund ausser Haus, bricht Roger bei ihnen ein und tauscht die Gemälde gegen Fälschungen aus.

Roger lebt auf grossem Fuss und schenkt seiner Frau Handtäschchen. Das geht so lange gut, bis sie ihm einen schicken Dänen (Nikolaj Coster-Waldau) vorstellt. Der ist nicht nur aus einer Sicherheitsfirma ausgestiegen, sondern hat daheim auch ein legendäres Rubens-Bild stehen.

Roger wittert das grosse Geschäft. Doch etwas stimmt da nicht: Zuerst entdeckt er eine seltsame Nadel, die aus seinem Autositz ragt. Darauf jagt ihn der Däne durchs norwegische Hinterland, bis Roger buchstäblich in der Scheisse steckt.

In Norwegen ist der Krimiautor Jo Nesbø ein Superstar: Dank Vorbestellungen werden seine Bücher zu Bestsellern, bevor die Leser überhaupt wissen, was drinsteht. Nesbø ist ein Handwerker des Schreckens, der seine Figuren wie Steine auf dem Mühlebrett verschiebt. Mit der Stringenz nimmt er es locker: Hauptsache Spannung.

Auch in dieser Verfilmung seines Romans «Headhunters» unter der Regie des Norwegers Morten Tyldum sind die dramaturgischen Gazebinden nicht zu übersehen, die auf die Plotlöcher gedrückt werden: Vermutlich würde der Däne Roger selbst dann aufspüren, wenn ihm die Nasenlöcher hinter dem Rücken zusammengebunden würden.

Im Buch besucht der Däne Roger, um ihm seinen diabolischen Plan zu erklären. Diese Begegnung wird im Film schlauerweise weggelassen. Leider setzt Tyldum auf übertriebene Soundeffekte, Rhythmus und Tempo, sodass man oft nicht weiss, was eigentlich vorgeht.

Auch wenn der Film einige tolle Grausamkeiten aus dem Roman unterschlägt, gerät Roger in solch blutrot-groteske Situationen, dass Kritiker Tyldums Film mit Werken von Tarantino und den Coen-Brüdern verglichen haben. «Headhunters» ist ein mehr als solid inszenierter, geradliniger Thriller. Das ist drastische Kunst, die Druck entwickelt und den brutalen Niedergang ihres Helden so klarmacht, dass ihn der Zuschauer geradezu physisch zu spüren bekommt.

Headhunters

Regie:Morten Tyldum
Produktion:Germany, Norway 2011; 101 min.
Genre:Action, Crime, Thriller
Erstaufführung:16.02.2012
Darsteller:Aksel Hennie, Synnøve Macody Lund, Nikolaj Coster-Waldau, Julie R. Ølgaard, Kyrre Haugen Sydness

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