Irisch Moos
Von Hannes Nüsseler. Aktualisiert am 21.09.2011
User-Rating
Wo & Wann
| Zürich · Winterthur · Region | Heute![]() |
|---|---|
| Heute keine Vorführungen. | |
Trailer
Ay, caramba, was ist denn das? Ein knallig roter Filmvorspann macht sich auf der Leinwand breit, unterlegt von den ins Epische schmierenden Klängen einer Mariachi-Kapelle. Man denkt Ennio Morricone, man denkt 70er-Jahre-Western, man denkt Trash - und dann kommt der Crash. Ein rasendes Auto überschlägt sich in grüner Landschaft, ein stämmiger Polizist tritt dazu, filzt die verunfallten Jugendlichen und steckt sich eine der sichergestellten LSD-Pappen in den Mund: «Was für ein verfickt schöner Tag!»
Die schwarze Komödie «The Guard» von John Michael McDonagh führt ihr Publikum tatsächlich in den Wilden Westen, allerdings nicht nach Kalifornien, sondern ins irische County Galway. Dort sieht Sergeant Gerry Boyle (famos: Brendan Gleeson) nach dem Rechten, obwohl er weniger Sheriff als ein «Bad Lieutenant» ist: Der melancholische Polizist hat eine Schwäche für Drogen und Prostituierte und legt das Gesetz nicht gerade buchstabengetreu aus. Boyle ist ein stilles Wasser, von dem man nie genau weiss, wie tief es wirklich ist.
Boyles Bauernschläue treibt seinen neuen Partner, den schwarzen FBI-Agenten Wendell Everett (Don Cheadle) zur Weissglut: «Ich hatte geglaubt, nur Schwarze sind Dealer», ist das Erste, was der Afroamerikaner vom Iren zu hören bekommt. Der US-amerikanische Experte soll mithilfe des Sergeants einen internationalen Drogenschmugglerring ausheben, der vor der Küste Irlands operiert. Die abgebrühten Gangster erwarten, mit den korrupten Lokalbehörden leichtes Spiel zu haben. Auf einen zähen Brocken wie Boyle sind sie nicht gefasst.
«The Guard» ist ein seltsamer Film und gerade darum charmant. Er kann geschwätzig sein wie ein Tarantino, wenn die Gangster mit Nietzsche-Zitaten um sich werfen, sentimental wie eine Buddy-Romanze, still in der Nebenhandlung um Boyles todkranke Mutter und wieder laut im finalen Duell von ziemlich Gut gegen ziemlich Böse. Dazu kommt, dass McDonagh seinen Spülsteinrealismus schön farbig mag und die Provinzialität der Westküste Irlands grandios in Szene setzt. Wenn die verschiedenen Tonarten dennoch zusammenpassen, dann liegt das an der irischen Schwermut, die den Film durchdringt: Alles geht vorbei, und noch jedes Pint ist zur Neige gegangen. Oder so ähnlich. Gerry Boyle setzt dazu ein halbschlaues Gesicht auf und denkt sich seinen Teil.
The Guard
| Regie: | John Michael McDonagh |
| Produktion: | Ireland 2011; 96 min. |
| Genre: | Thriller |
| Erstaufführung: | 22.09.2011 |
| Darsteller: | Brendan Gleeson, Don Cheadle, Liam Cunningham, David Wilmot, Rory Keenan |
Kommentar schreiben / Rating abgeben
4 KOMMENTARE
Ein wunderbarer vergnüglicher, verschrobener Film mit zwei blendenden Hauptdarstellern und einem Dutzend ausgezeichneter Nebendarsteller. Stimmig und involvierend. Unbedingt empfehlenswert.
also ich fand den film - trotz guter kritiken - ziemlich mässig. dick aufgetragener klamauk und vorhersehbare pointen. der film soll wohl "schräg" sein. landeier ohne geschmack finden das vielleicht lustig, aber jedem normalen menschen rate ich: geh nicht hin, spar dein geld und geh lieber um die ecke sushi essen!
The Guard ist eine der hochklassigsten und unterhaltsamsten Komödien der letzten Jahre überhaupt, ein absolutes Highlight! Ich habe selten so gelacht im Kino.




Von klein auf kompetent: Der «züritipp» Newsletter bringt Ihnen täglich Tipps für Kino, Musik, Theater, Kunst & Gastro.