Tages-Anzeiger



Kino Aktuell 2 Days in New York

Hinreissende Peinlichkeiten

Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 15.05.2012

Julie Delpy spielt eine neurotische französische Künstlerin, Chris Rock den schwarzen New Yorker, der mit ihr zusammenlebt.

Marion (Julie Delpy) im Kreuzfeuer zwischen Vater und Lebenspartner.

Marion (Julie Delpy) im Kreuzfeuer zwischen Vater und Lebenspartner.

2 Days in New York

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Mingus kann einem wirklich leidtun: Der schwarze Radiomann hat bereits zwei gescheiterte Ehen hinter sich. Seine kleine Tochter beschäftigt sich vornehmlich mit Serienmördern. Seine Lebensgefährtin, die französische Künstlerin Marion, ist neurotisch. Jetzt hat sie aber auch noch die Eröffnung ihrer ersten grossen Ausstellung in New York vor sich, an der sie als künstlerischen Akt ihre Seele verkaufen wird. Zu diesem Anlass reisen Marions Vater und ihre Schwester Rose aus Frankreich an und werden bei Mingus und Marion wohnen.

So weit, so schlimm. Doch es wird alles noch viel schlimmer: Marions Vater Jeannot wird am New Yorker Zoll geschnappt, weil er französische Würste und Käse ins Land hat schmuggeln wollen. Und Rose bringt unangekündigt ihren Freund Manu mit – einen der vielen Ex-Freunde von Marion. Kein Wunder, sucht Mingus immer wieder Zuflucht in Gesprächen mit einer Pappfigur von Barack Obama, die in seinem Arbeitszimmer steht.

«Two Days in New York» ist die Fortsetzung von «Two Days in Paris», der hinreissenden Quasselkomödie aus dem Jahr 2007. Wie damals spielt Julie Delpy nicht nur die Figur von Marion, sondern sie führt auch Regie, hat die Musik komponiert und das Drehbuch geschrieben – zusammen mit den Darstellern von Rose und Manu. Denn seit Delpys Erstling, in dem ihre realen Eltern Marions Eltern spielten, ist ihre Mutter gestorben (und Delpy selbst Mutter geworden). Sie habe die Hilfe ihrer Freunde gebraucht, um das Drehbuch zu schreiben, erzählt Delpy, nur so habe sie in dieser Komödie auch den Tod ihrer Mutter mitverarbeiten können.

Entstanden ist dadurch ein Schwank mit einer düsteren Unterströmung. Delpy hat ein fantastisches Gefühl für Dialoge und das komische Potenzial peinlicher Situationen. Besonders viel holt sie aus den Sprachverwirrungen heraus, denn Marions Vater (Albert Delpy) kann kein Englisch, Mingus (Chris Rock) kein Französisch, und Manu betätigt sich zwar als Übersetzer, macht die Verwirrung aber nur noch grösser. Albert Delpy ist gleichzeitig ein Quell der Obszönitäten und äusserst liebenswert. Ausserdem beweist der als Narziss und Rassist berüchtigte Vincent Gallo in einer Nebenrolle, dass er selbstironisch sein kann. In einer der schönsten Sequenzen taucht an Marions Vernissage ein gefürchteter Kritiker auf; statt ihm den Schmus zu bringen, rastet die Künstlerin aus und scheisst den Kritiker zusammen. Ein Riesenvergnügen – auch für Nichtkünstlerinnen und Nichtkritiker.

2 Days in New York

Regie:Julie Delpy
Produktion:Belgium, France, Germany 2011; 96 min.
Genre:Comedy
Erstaufführung:17.05.2012
Darsteller:Chris Rock, Julie Delpy, Albert Delpy, Alexia Landeau, Alexandre Nahon

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1 KOMMENTARE

antonja pernat

19.05.2012, 16:01
star3

leider nicht halb so lustig wie der two days in paris; schade



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