Herr der Geheimnisse
Von Reto Bühler. Aktualisiert am 18.01.2012
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Trailer
Über die Macht des Informationsvorsprungs hat uns die Affäre Hildebrand unlängst wieder eine Lektion erteilt. Dass die gleichen Mechanismen schon vor dem Informationszeitalter griffen, zeigt Clint Eastwoods Biopic über J. Edgar Hoover, der das FBI von 1924 bis 1972 und unter acht US-Präsidenten führte.
Hoover baute das FBI zu dem staatenübergreifenden Informationsdienst aus, der er heute ist. Herzstück des «Büros» war eine Datenbank, in welcher die Akten von über 400 000 US-Bürgern abgelegt waren. Sie diente der rigorosen Verfolgung realer und vermeintlicher Staatsfeinde – Kommunisten, Bürgerrechtler und andere Verbrecher – sowie der Sicherung der Macht des FBI und vor allem seines umstrittenen Direktors. Wer immer sich diesem in den Weg stellte, musste mit der Veröffentlichung pikanter Details aus seinem Privatleben rechnen. (Mehr darüber auf der «Analyse»-Seite im TA vom 19.1.)
Über Hoovers eigenes Leben ist bezeichnenderweise so gut wie nichts bekannt. Sicher ist, dass er zeitlebens Junggeselle blieb und mit seinem engsten Mitarbeiter Clyde Tolson über die Arbeit hinaus eine intensive Beziehung pflegte.
Wenn Eastwood und sein Drehbuchautor Dustin Lance Black («Milk») daraus ein Schwulenmelodrama basteln und suggerieren, dass die Unterdrückung seiner Homosexualität die Ursache von Hoovers Archivierungswahn gewesen sei, bewegen sie sich auf dünnem Eis. Da wirkt eine dominante Mutter (Judy Dench) als Er- klärung ebenso simpel wie das aufgewärmte Gerücht, dass Hoover nach Mutters Tod gerne in Frauenkleider geschlüpft sei.
Man mag sich darüber freuen, dass Eastwood – während Jahrzehnten der Inbegriff des Hollywoodmachismo – sich im Alter dem Thema Homosexualität stellt. Sein Bestreben, dem mythenumwobenen Machtmenschen ein persönliches Antlitz zu verleihen, scheitert jedoch nicht nur an der dünnen Beweislage, sondern auch am Star-Image seines Hauptdarstellers Leonardo DiCaprio: Es scheint durch dessen Hoover hindurch, und zwar desto störender, je dicker die Greisenmaske wird.
Interessant bleibt unterm Strich die Tat- sache, dass sich ein Mann kraft seines Informationsvorsprungs 48 Jahre lang an der Spitze des FBI halten konnte. So ist Hoover exemplarisch für das auch heute aktuelle Dilemma von Geheimdiensten in demokratischen Staaten.
J. Edgar
| Regie: | Clint Eastwood |
| Produktion: | USA 2011; 137 min. |
| Genre: | Drama |
| Erstaufführung: | 19.01.2012 |
| Darsteller: | Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Josh Lucas, Armie Hammer, Ed Westwick |
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3 KOMMENTARE
Die erste Hälfte ist etwas langatmig, nach der Pause ist es ein typischer Eastwood-Film, der unter die Haut geht und einen noch lange beschäftigt. Dass DiCaprio bei den Oscarnominationen wieder übergangen wurde, ist kaum zu glauben.




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