Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Kampf der Königinnen

Hallo Rindvieh

Von Anna Kappeler. Aktualisiert am 02.05.2012

Regisseur Nicolas Steiner setzt dem Walliser Kuhkampf ein visuell bestechendes Denkmal.

Dieser Mann hat nichts als Gehörnte im Kopf.

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Kampf der Königinnen

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Und noch einer. Nachdem in Filmen über die Urschweiz ausgiebig gekäst und gemolken, gejodelt und alpgesegnet worden ist, frönt dieser hier den traditionellen Kuhkämpfen im Wallis. Nicolas Steiner, Student der Filmakademie Baden-Württemberg, macht den Heimatevent in Aproz zur Augenweide. Die bis zu 600 Kilo schweren Eringer Kühe sind des Wallisers Protagonisten, und wenn die von Natur aus kampflustigen Rindviecher im Ring gegeneinander anrennen, hat das visuelles Potenzial. Dieses hat der 28-Jährige mit stilisierten Schwarzweissbildern gekonnt ausgeschöpft.

Am alljährlichen Kuhkampf-Finale, in dem vor über zehntausend Schaulustigen das stärkste Tier zur Königin erkoren wird, nimmt diesmal Bauer Beat mit seiner Kuh Dominga teil. Eine Gruppe einheimischer Töfflibuben lungert ausserdem herum, und ein unbeholfener Journalist aus Zürich hofft, dass eine Reportage über den Anlass seinen Lebenslauf aufwerte. Aus nächster Nähe setzt Steiner diese Menschen unaufgeregt in Szene; das funktioniert ganz ohne Interviews und Kommentar. Und zieht einen so direkt hinein ins Spektakel.

Mit exakt rhythmisierter Montage steuert der Film auf den Höhepunkt, die Kuhkämpfe, zu. Der Versuch, diese aufs Elementarste zu vereinfachen und gleichzeitig mit allen Mitteln zu ästhetisieren, wirkt durch die vielen Zeitlupen und die emotionalisierende Musik jedoch überzogen. Hier bricht «Kampf der Königinnen» auch mit der zuvor so gelassenen Erzählweise. Die Dozenten übrigens sollen Steiner zu einem klassischen Dokumentarfilm ohne visuelle Überhöhung geraten haben. Auch wenn der Schluss stilistisch verstiegen ist: Zum Glück hat Steiner seine Vorstellung von einem Heimatfilm durchgesetzt.

Kampf der Königinnen

Regie:Nicolas Steiner
Produktion:Germany, Switzerland 2011; 70 min.
Genre:Documentary
Erstaufführung:03.05.2012

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