Tages-Anzeiger



Kino Aktuell The Descendants

Ein Mann meints gut

Von Murièle Weber. Aktualisiert am 25.01.2012

In der Tragikomödie von Alexander Payne («About Schmidt») spielt George Clooney einen Mann, der von allem überfordert ist. Und dabei lebt er doch auf Hawaii.

Traurig im Paradies: George Clooney mit seinen beiden Filmtöchtern.

Traurig im Paradies: George Clooney mit seinen beiden Filmtöchtern.

The Descendants

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In seinen Segelschuhen unbeholfen stampfend rennt Matt (George Clooney) zum Haus der besten Freundin seiner Frau. Soeben hat er erfahren, dass diese ein Verhältnis mit einem anderen Mann hatte. Unterdessen aber liegt sie nach einem Motorbootunfall im Koma. Doch das ist nicht Matts einziges Problem: Halb Hawaii sitzt ihm im Nacken wegen Verkaufsverhandlungen über ein grosses Stück Land, das Matts Familie besitzt. Seine jüngere Tochter Scottie traumatisiert ihre Klassenkameraden mit Fotos der komatösen Mutter. Und die ältere Tochter Alexandra ist damit beschäftigt, sich an einer teuren Privatschule in ein angenehmeres Leben zu saufen. Als sich dann auch noch ihr dauerbekiffter Freund Sid in der Familie einnistet, ist Matt schlicht überfordert.

Dabei will der Mann doch nur das Richtige tun. Als klar wird, dass die Maschinen, die seine Frau noch am Leben erhalten, bald abgestellt werden, macht er sich mit den Töchtern und Sid auf, um den Liebhaber seiner Frau aufzuspüren: Er will ihn mit der Tatsache konfrontieren, dass seine Geliebte demnächst sterben werde.

Es dauert lange, bis in «The Descendants» die beiden Erzählstränge Landverkauf und Verrat der Frau zusammengeführt werden. Dabei greift Regisseur Payne wie schon in «Sideways» und «About Schmidt» auf sein bewährtes Mittel zurück, tragische Momente mittels Slapstick aufzubrechen.

Schauspielerisch überzeugt der Film nur teilweise: Auch wenn Clooney die meiste Zeit in scheusslichen Hemden steckt, fällt es ihm schwer, gegen sein Strahlemann-Image anzukämpfen: Den etwas naiven Gutmenschen nimmt man ihm nicht ab. Und wenn die beste Freundin der Frau von deren Affäre erzählt, flattert sie so dramatisch mit den Armen, dass man sich wünscht, sie würde davonfliegen.

Die Stärke des Filmes liegt in den ungewohnten Einblicken, die er in das Leben wohlhabender Bewohner von Hawaii gibt, und in der Beschreibung davon, wie eine entfremdete Familie langsam wieder zusammenwächst.

The Descendants

Regie:Alexander Payne
Produktion:USA 2011; 115 min.
Genre:Comedy, Drama
Erstaufführung:26.01.2012
Darsteller:George Clooney, Judy Greer, Matthew Lillard, Beau Bridges, Shailene Woodley

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2 KOMMENTARE

Oliver Hongler

17.02.2012, 23:06
star5

Die Kritik scheint mir verfehlt. Es werden keinerlei Erzählstränge zusammengeführt, denn sie wurden nie getrennt. Matt ist nicht erst nach der Ankunft des Freundes der Tochter überfordert, er ist es von Anfang an. Das Leben wohlhabender Bewohner auf Hawaii unterscheidet sich kaum von dem anderer mittelständischer US-Amerikaner, sie stehen nur des öfteren barfuss irgendwo rum. Der Regisseur hingegen hat vieles sehr genau getroffen. Er präsentiert in knapp zwei Stunden ein ganzes Kaleidoskop an widersprüchlichen Emotionen, die sich aneinander stossen ohne je zu einem endgültigen Bruch zu führen. Im übrigen werden die komischen Elemente durch die tragischen gebrochen, der Film hat ein Happy End und ist somit eine Komödie. Aber Filme sollte man mit dem Herz sehen und nicht mit dem


Heinrich Gretler

29.01.2012, 13:06
star5

Der Film ist toll. Ich habe noch selten einen Film gesehen, der die menschlichen Unzulänglichkeiten auf seine Weise liebevoll behandelt. Die Kritik von Murièle Weber ist plakativ und bemerkt nicht um was es wirklich geht. Um Liebe.



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