Tages-Anzeiger



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Die Hand des Fachmanns

Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 11.01.2012

Im viktorianischen London erfindet ein braver Arzt gleichsam aus Versehen den ersten elektrischen Vibrator.

Die Erfindung von Dr. Granville (Hugh Dancy) ist auf Anhieb ein Erfolg.

Die Erfindung von Dr. Granville (Hugh Dancy) ist auf Anhieb ein Erfolg.

Hysteria

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Der Gynäkologe Dr. Dalrymple kann sich des Ansturms von Patientinnen kaum erwehren. Nur er, da sind sie überzeugt, kann helfen gegen jene Krankheit, an der offenbar vierzig Prozent der Londoner Frauen leiden: die Hysterie.

Dr. Dalrymples Behandlungsmethode besteht in einer «manuellen Stimulation der Vulva bis zum Paroxysmus». Letzteres Wort bedeutet die «anfallartige Steigerung bestehender Beschwerden». Mit Sex hat das alles selbstverständlich nichts zu tun, denn wir befinden uns im London von 1880, und da ist man überzeugt, dass Frauen einzig bei der Penetration durch ein männliches Glied Lust empfinden können.

So erfolgreich ist Dalrymple (Jonathan Pryce), dass er den jungen Dr. Granville (Hugh Dancy) als Assistenten anstellen muss. Doch auch der ist bald überfordert, denn es kann 45 Minuten dauern, bis es bei einer Patientin zum Paroxysmus kommt. So bekommt Granville eine Sehnenscheidenentzündung, und es würde alles übel enden, hätte er nicht einen eperimentierfreudigen adligen Freund (Rupert Everett), der gerade einen elektrischen Flederwisch erfunden hat. Als Granville diesen in die entzündete Hand nimmt, empfindet er das Surren als äusserst angenehm. Das müsste sich doch auch anderweitig anwenden lassen

Tatsächlich liess 1883 ein Mortimer Granville den ersten elektrischen Vibrator patentieren als Mittel gegen Muskelverspannungen. Um ihn herum haben Stephen und Jonah Lisa Dyer ein dramaturgisch simples Drehbuch konstruiert, das Tanya Wexler inszeniert hat: Granville muss sich nämlich zwischen Dalrymples Töchtern entscheiden – einer braven und einer politisch engagierten (Maggie Gyllenhaal). Angesichts des Themas ist das ein erstaunlich keuscher Film geworden, aber er ist visuell umwerfend, die Dialoge sind komisch, und die Darsteller haben sichtlich Spass.

Hysteria

Regie:Tanya Wexler
Produktion:UK 2011; 100 min.
Genre:Comedy, Romance
Erstaufführung:12.01.2012
Darsteller:Maggie Gyllenhaal, Hugh Dancy, Rupert Everett, Felicity Jones, Gemma Jones

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