Der Wüterich
Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 01.02.2012
Keiner konnte toller toben als Klaus Kinski. Zu Beginn von «Mein liebster Feind» erzählt Werner Herzog, er habe in den Fünfzigerjahren in derselben Pension wie Kinski (1926–1991) gelebt. Eines Tages habe sich dieser 48 Stunden lang im Bad eingeschlossen und alles so kurz und klein geschlagen, dass man es danach «durch ein Tennisracket sieben konnte».
Dennoch schickte Herzog 1971 das Drehbuch zu seinem Film «Aguirre, der Zorn Gottes» an Kinski, und dieser willigte ein, die Hauptrolle des Konquistadoren zu spielen, der 1560 in Peru in den Wahnsinn gleitet. So begann die Zusammenarbeit von Herzog und Kinski, den beiden grössten Egomanen des deutschen Films. Sie sollte immerhin fünf Spielfilme umfassen, darunter so unvergessliche Filme wie «Aguirre» (1972), aber auch Peinlichkeiten wie «Cobra Verde» (1987).
Sogar wenn man Kinski nicht ausstehen kann – und dafür gibt es sehr gute Gründe –, ist «Mein liebster Feind» ein Vergnügen. Denn einerseits lernt man viel über das Filmemachen Marke Herzog; und selten erhält man so tiefe Einblicke in das Wirken eines Menschen, der offensichtlich ein Rad ab hatte, aber eben auch etwas konnte. Das wird am deutlichsten, wenn man die Probeaufnahmen zu «Fitzcarraldo» (1979–1982) mit Jason Robards sieht und dann die gleiche Szene mit Kinski: Bei Robards ist einer am Schauspielern, Kinski dagegen rastet wirklich aus. Dies hätte ihn übrigens beinahe den Kopf gekostet: Als Kinski bei den Dreharbeiten zu «Fitzcarraldo» wieder herumtobte, machte ein Indianerhäuptling Herzog ein Angebot: Falls er den Spinner umbringen lassen wolle, würden seine Leute das gern übernehmen.
So 5.2. und So 26.2., 12 Uhr
Mein liebster Feind - Klaus Kinski
| Regie: | Werner Herzog |
| Produktion: | Finland, Germany, UK, USA 1999; 95 min. |
| Genre: | Documentary |
| Darsteller: | Werner Herzog, Isabelle Adjani, Claudia Cardinale, Justo González, Mick Jagger |




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