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Der Stier in mir

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 04.04.2012

Dieser belgische Thriller spielt in der Welt der Hormonmafia. Die Handlung ist etwas verwirrend, dafür pulsiert er vor Spannung und Energie.

Jacky hat schon einiges eingesteckt. Doch eines Tages sieht er rot.

Jacky hat schon einiges eingesteckt. Doch eines Tages sieht er rot.

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Red Bull mag Flügel verleihen, aber gegen «Bullhead» kann der Teenagersirup einpacken. Das ist Kino der Aggression, des Ausbruchs, der schlagartigen Bewegung von Figuren und Plot. Vieles zittert hier vor angestauter Wut: Der belgische Thriller, der als fremdsprachiger Film für einen Oscar nominiert war, steigert sich sogar zur epischen Tragödie, was in diesem Fall tatsächlich funktioniert.

Der Viehzüchter Jacky führt den Hof seiner Eltern in Ostflandern. Im Kühlschrank türmen sich Anabolika, die er sich selber spritzt. Jacky ist ein Kraftmeier, ein leibhaftiger Hulk, den Matthias Schoenaerts geradezu tierisch spielt: Er schnaubt und schwankt wie ein Wiederkäuer – eine äusserst faszinierende Darstellung. Wieso aber wirkt Jacky im Umgang mit Frauen hilflos, sogar verletzlich? Der Film blendet in Jackys Kindheit zurück, um zu zeigen, was ihm Grausiges zugestossen ist. Ohne den Vorfall zu verraten: Er verleiht dem Film symbolische Resonanz und vertieft ihn zu einer Analyse von Männlichkeitsbildern.

Derweil nimmt die Handlung ihren konfusen Lauf: Als ein Ermittler stirbt, der die Hormonmafia untersucht hat, gerät Jacky immer tiefer in das riskante Geschäft hinein. Ein Freund aus Jackys Kindheit taucht auf, eine Parfümverkäuferin auch; Polizisten, Nebenbuhler und wallonische Mechaniker komplizieren die Dinge, bis sich der Film logisch richtiggehend verknäult hat.

Dass «Bullhead» immer wieder in Jackys Kindheit zurückkehrt, ist dabei wenig hilfreich. Der Regisseur Michaël R. Roskam scheitert in seinem ersten Langfilm auch beim Versuch, die kulturelle Barriere zwischen Wallonen und Flamen zu thematisieren. Doch die Substanz seines Films steckt ohnehin im Muskulösen und in der filmischen Dynamik. Der Showdown etwa ist ein Meisterstück, was Suspense und Verzögerung anbelangt: Ungewohnte Perspektiven und Zeitlupen verstärken die Spannung, ohne das Publikum zu ärgern.

Mit Jackys finalem Gewaltausbruch schwillt «Bullhead» schliesslich zur Tragödie an. Das überzeugt, weil der filmische Stoff – Härte und Testosteron, Schmerz und Trauma – von Jackys imposanter Körperlichkeit getragen wird. So geht die Charakterstudie eines sensiblen Hitzkopfs im Wortsinn unter die Haut.

16, 20.30, Fr / Sa 23 Uhr

Rundskop

Regie:Michael R. Roskam
Produktion:Belgium 2011; 129 min.
Genre:Crime, Drama
Erstaufführung:05.04.2012
Darsteller:Matthias Schoenaerts, Jeroen Perceval, Jeanne Dandoy, Barbara Sarafian, Tibo Vandenborre

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