Tages-Anzeiger



Zauber, komm zurück!

Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 17.02.2016

Nach dem Abgang des hochdekorierten Antonio Colaianni hat das elegante Lokal seinen Stil noch nicht gefunden.

Die markante bernsteinfarbene Wand ist noch da und weckt hohe Erwartungen.

Die markante bernsteinfarbene Wand ist noch da und weckt hohe Erwartungen.

Ein Blick zurück

Das Restaurant Mesa prägte seit 2003 das Gesicht der Zürcher Spitzengastronomie. Seine höchsten Bewertungen erreichte es unter dem inzwischen im Alpina in Gstaad tätigen Österreicher Marcus G. Lindner. Dieser stand zwischen 2006 und 2012 an der Spitze der Brigade. Ab 2010 zeichnete ihn der «Gault Millau» mit 18 Punkten aus, 2012 – kurz vor seinem Abschied – verlieh ihm der «Guide Michelin» den zweiten Stern. Antonio Colaianni, der direkt auf Lindner folgte, stand in den Augen vieler Experten für Zürichs sinnlichste Küche. Er wurde mit 17 Punkten und einem Stern geführt. Colaianni verliess das Mesa Ende 2015. Das neue Konzept bedeutete die Abkehr von der enorm aufwendigen Sterne­küche. Gradlinige Menüs aus besten Zutaten in entspannter ­Atmosphäre lautet nun der Anspruch von Chefin Linda Mühlemann.

Mesa

Adresse: Weinbergstr. 75
8006 Zürich
Telefon: 043 321 75 75
Url: http://www.mesa-restaurant.ch
Öffnungszeiten: Di – Fr 11.45 – 15 Uhr und 18.45 – 24 Uhr, Sa 18.45 – 24 Uhr

User-Rating


Profil

Preise

Teuer

Ambiente

Tische weiss gedeckt

Kriterien

Attraktiver Garten/Terasse, Garten/Terrasse, Kreditkarten - Ja, Rollstuhlgängig - Ja, Weinkarte

Restaurantarten

Restaurant

Restaurant-Küche

Frische Marktküche, Mediterran

Es sind wunderbare Erinnerungen, die wir mit dem Mesa verbinden. Am wachsten sind jene an einen Lunch im vergangenen Sommer, als Antonio Colaianni das beste Gericht auftragen liess, das wir in Zürich jemals assen: eine Meeresfrüchtevariation mit frittierten Fischlein, rohen Gamberi rossi sowie einer Sauce auf Basis von Seeigel. Seit Ende 2015 ist Colaianni nun nicht mehr im Mesa. An seiner Stelle führt Marcel Schmitutz, ein 29-Jähriger mit ausgezeichnetem Ruf als Patissier, das Kommando.

Schmitutz hat ein anspruchsvolles Erbe angetreten: Obwohl vom nur noch dreiköpfigen Küchenteam keine Wunderdinge zu erwarten sind, verleitet der Name Mesa halt doch zum Träumen. Vielleicht wäre es uns sonst gar nicht so sehr aufgefallen, dass das Amuse-Bouche, ein an sich gutes Rindstatar mit Brunnenkresse-Frischkäse-Schaum, zu kalt an den Tisch kam.

In Ordnung, aber gemessen an den einstigen Ansprüchen doch recht brav fanden wir den marinierten Lachs (24 Fr.) mit Mandarinenfilets, sehr gelungenen Gurkenpickles und einer homöopathischen Dosis Friséesalat. Ein Genuss war die Umrahmung der hausgemachten Entenravioli (22 Fr.): kräftige Consommé, Cranberries und würziger Gruyèrekäse.

Keine geschmackliche Einheit

Die Salade niçoise nach Mesa-Art (24 Fr.) gehört dagegen überarbeitet. Der angebratene Thunfisch besass kaum Aroma, die Oliventapenade rettete seinen Auftritt nur teilweise. Sonst lagen auf dem Teller noch grüne Böhnchen, geviertelte Cherrytomätchen, Kapern und ein hartes Wachtelei. Das sah hübsch aus, war aber geschmacklich nicht als Einheit wahrnehmbar, da es an Dressing mangelte. Eine gute Idee war es dafür, die Kartoffelwürfel des Originalrezepts durch knusprige Chips zu ersetzen.

Seltsam zahm wirkten auch die Hauptgänge. Der Steinbutt mit Sepia-Gnocchi, Mangold und Randenblättern (52 Fr.) war zu gutbürgerlich gegart. Von den Gnocchi mit wunderbarem Schmelz hätten wir dagegen gerne einen ganzen Teller gegessen. Zur Kalbshaxe mit Rotweinjus und Schmorgemüse (56 Fr. pro Person) stellte uns der Chef de Service je ein Papiertütchen mit Polentasticks hin. Das mag in einem Burgerlokal angehen, aber hier? Die Haxe selbst hatte die Küche zart und saftig hinbekommen. Nur warum diese chorknabenhafte Zurückhaltung beim Würzen? Bedauerlicherweise hatte das auf dem Tisch platzierte Fleur de Sel wegen der Luftfeuchtigkeit im Lokal Klümpchen gebildet. Dabei brauchten wir es wiederholt, nicht zuletzt für den ausgelösten Markknochen.

Mesa-Besitzerin Linda Mühlemann räumte am Telefon ein, dass die Küche nach der Neuausrichtung noch nicht ganz bei 100 Prozent sei: «Die klare Linie, die ich mir wünsche, ist noch nicht auf jedem Teller erkennbar. Ich habe aber vollstes Vertrauen ins Team, und wir geben unser Bestes, um das Ziel zu erreichen.»

Die Desserts ragten aus dem Menü heraus. An der dekonstruierten Zitronentarte mit Shortbread, Kalamansi-Gel und Earl-Grey-Glace (18 Fr.) gefiel uns vor allem die mutige Bitternote; das Schokoladen-Caramel-Törtchen mit Erdnüssen und Mangoglace (18 Fr.) – es steht als Snickers auf der Karte – ist eine witzige Adaption des Snack-Klassikers.

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2 KOMMENTARE

Til Schoeps

22.02.2016, 23:55
star3

warum immer stzerneküche, wenn ich mir die weinkarte anschaue, kann ich mir gerade zwei deziliter weisswein leisten, das essen isteh zu teuer, saubere gerade küche das wünsch ich mir


karl hofer

22.02.2016, 13:55
star3

Ich war vor vier Wochen. Gute Ansätze, wie im Artikel treffend beschrieben. Allerdings auch drei Schwächen, alle aber zu beheben: Der Käse lag den ganzen Abend offen auf einem Holzbrett neben der Türe zu den WCs. Im Gastraum roch es penetrant nach Küche, das war stark bemerkbar, auch noch am nächsten Tag zu Hause (die Türe zur Küche stand immer offen, lag es daran?); war aber das erste Mal in all den Jahren. Und: Der Chef de Service (anders als früher Danny Neynaber oder gar Oliver Friedrich) war wirklich kaum präsent nach der Willkommensfrage "Wasser mit oder ohne Gas?" und hinter dem Buffet arg beschäftigt (Gläser reinigen, Kaffee zubereiten, Käseteller richten) , so dass ein Gastgeber fehlt.