Tages-Anzeiger



Louder Than Bombs

«Moment mal, gibts die überhaupt?»

Aktualisiert am 13.01.2016

Der Regisseur von Louder than Bombs erzählt, warum er als Norweger einen amerikanischen Film drehen wollte. Und zeigt, was für ein schlechter Verkäufer er ist.

Die Mutter (Isabelle Huppert) ist zwar gestorben, aber für die Familie sehr präsent.

Die Mutter (Isabelle Huppert) ist zwar gestorben, aber für die Familie sehr präsent.

Louder Than Bombs

Wo & Wann

Zürich · Winterthur · Region HeuteKalender
Heute keine Vorführungen.

Trailer

Der TV-Player ben&oouml;tigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen

Joachim Trier

Louder than Bombs

Als zu Ehren der verstorbenen Mutter, einer Kriegsfotografin (Isabelle Huppert), eine Ausstellung eröffnet wird, kehrt der erwachsene Sohn Jonah (Jesse Eisenberg) ins Elternhaus zurück. Dort ist die Kommunikation mit dem Vater (Gabriel Byrne) und dem gamenden Teenager-­Bruder verknorzt, aber nach und nach gehen die drei Männer aufeinander zu.

Ein Familiendrama, das mit einer Verwechslung im Spital beginnt, kann eigentlich nur gut sein. Der Norweger Joachim Trier hat auch viele zauberhafte Ideen für sein Drama einer amputierten Familie, in der nichts aus­gesprochen wird und über der die tote ­Mutter schwebt wie ein Erzengel. Ein Auszug aus einem Teenager-Tagebuch wird da zum veritablen Höhepunkt. (blu)

Wie sind Sie als Norweger dazu gekommen, einen Film in den USA zu drehen?
Die Filmschule habe ich in London besucht, dann aber zwei Filme auf Norwegisch gedreht. Ironischerweise sind beide Filme um die Welt gereist. Ich hatte also nicht den Drang, in die USA zu gehen. Als ich dann aber in Los Angeles war, traf ich nette Leute. Da dachte ich: «Jetzt schreibst du einen amerikanischen Film.»

Hatten Sie Vorbilder? Die Stimmung Ihres Films «Louder Than Bombs» erinnert an «The Ice Storm» von Ang Lee.
Ja, den Film mag ich sehr. Es gibt ja im amerikanischen Kino das Genre des Familiendramas an der Ostküste, in dem immer die Herbstblätter fallen.

Wie in «The Squid and the Whale» von Noah Baumbach?
Sicher, aber auch in «Kramer vs. Kramer» oder in den frühen Filmen von Woody Allen. Sie handeln von Menschen, mit denen man sich identifizieren kann. Solche Filme werden heute nicht mehr allzu viele gedreht. Dabei geben mir solche Charakterdramen einen Kick. Weil diese Gattung heute eigentlich ins Fernsehen emigriert ist, versuche ich, sie zu kidnappen, um sie zurück auf die Leinwand zu bringen.

Waren Ihnen die USA nicht immer auch fremd?
Ja, viel von meinem Wissen über die USA stammt aus dem Kino. Ich habe eine Szene mit Cheerleadern ­geschrieben und mich dann gefragt: «Moment mal, gibts die überhaupt?» Als ich dann Highschools besuchte, sah ich: Ja, es gibt solche ­Frauen tatsächlich. Sie sind wunderschön und werden in die Luft geworfen!

Wie beginnen Sie einen Film, mit einem einzelnen Bild?
Eben nicht. Ich diskutierte mit meinem ­Co-Autor Eskil Vogt, wir notierten Dinge. Etwa die Frage: Wäre es nicht grossartig, wenn in einer Szene eine Person etwas vorliest und sich der Text in die Gedanken der Person verwandelt, die zuhört? Gab es das schon?

Daraus wurde eine Sequenz in «Louder Than Bombs».
Der Prozess ist chaotisch, weshalb wir auch schlecht darin sind, unsere Filme anzupreisen. Wären wir gut, würden wir sagen: «Als Charles eines Tages nach Hause kommt, ist sein Hund tot. Und auch seine Frau ist tot!» Na ja, so gut ist ­dieses Beispiel doch nicht. Tut mir leid.

In Ihren Filmen kommen oft Autoren vor, auch «Louder Than Bombs» handelt vom Schreiben. Welchen Bezug haben Sie zur Literatur?
Die Gattung Roman hat sich im Lauf der Geschichte formal verändert, es wurde damit experimentiert. Das Kino sollte sich davon inspirieren lassen, dass viele verschiedene Arten von Dramaturgie möglich sind. Die Gattung Film muss sich heute zwischen Youtube und TV-Serien behaupten, sie muss sich neu erfinden. Mich persönlich interessiert es zum Beispiel, im Kino Denkstrukturen darzustellen. Die Art, wie Menschen ihre Gedanken strukturieren, ist vergleichbar damit, wie wir Filmbilder in der Zeit wahrnehmen. Literatur ist in dieser Hinsicht anregend. Und weil ich ein ­Romantiker bin, denke ich, dass wir einander Geschichten erzählen sollten, um mit dem Leben zurechtzukommen.

Louder Than Bombs

Regie:Joachim Trier
Produktion:Denmark, France, Norway, USA 2015; 103 min.
Genre:Drama
Erstaufführung:14.01.2016
Darsteller:David Strathairn, Katrina E. Perkins, Jesse Eisenberg, Rosemary Howard, Gabriel Byrne

Kommentar schreiben / Rating abgeben 







Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.


Bestätigen