Tages-Anzeiger



Langweiler oder Rockstar?

Von Dominik Dusek und Nick Joyce. Aktualisiert am 11.10.2011

Nach der Auflösung von Oasis gründete Sänger und Skandalnudel Liam Gallagher flugs Beady Eye - und spaltete damit die Musikwelt inklusive den «Züritipp». Sind Beady Eye nun gut oder böse?

Rassige Rocker? Peinliche Pilzköpfe? Beady Eye mit Liam Gallagher (2. v. l.).

Rassige Rocker? Peinliche Pilzköpfe? Beady Eye mit Liam Gallagher (2. v. l.).


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BEADY EYE - THE ROLLER:

Pro:

Wir erinnern uns: Es gab einmal eine Britpop-Band namens Oasis, die hatte zwei, drei fulminante Hits und zahllose Songs, in denen sie vergeblich versuchte, den Erfolg dieser Hits zu wiederholen. Zwei Brüder lenkten diese Band, deren Images so unverrückbar in der Poplandschaft standen wie die Cliffs of Dover über dem Ärmelkanal: Noel Gallagher war der geniale Songschreiber, Liam der ewig pubertierende Sänger. Zum Gähnen, auf die Dauer. Das Erregungspotenzial von Oasis schwand dementsprechend von Platte zu Platte.

Und jetzt stellen Sie sich einmal vor, Sie wären der als Rotzlöffel bekannte Bruder. Wenn nach langen Jahren der Lähmung diese Konstellation aufbricht, würden Sie dann nicht als Erstes etwas Einfaches machen wollen? Etwas Spassiges? Würden Sie sich nicht mal kurz darüber freuen wollen, das ewige Wunderkind von Bruder los zu sein? Das Wunderkind, das sich nie richtig als solches bestätigt hat, auf das aber immer Rücksicht zu nehmen war? Eben. Liam Gallagher gründete Beady Eye und schrieb zack, zack ein paar Lieder, wie er sie im Schatten von Noel immer schon geschrieben hatte: mit geradliniger, aber herzhafter Melodik und narkotischer Anziehungskraft. Beim Betrachten von Beady-Eye-Auftritten auf Youtube sieht man: Diese Band hat Spass! Gute Sache. (duk)

Kontra:

Auf der Insel wird Liam Gallagher wie ein Volksheld verehrt. Verdient hat er das Ansehen seiner Landsleute nicht. Denn: Was kann dieser Rüpel mit Prolo-Prädikat ausser ins Mikrofon knurren? Herzlich wenig, muss die Antwort lauten. Bei seinen alkoholbedingten Faustkämpfen kommt der kleinere Gallagher immer schlechter weg als seine Kontrahenten, in mürrischen Interviews bringt er nur gerade Provokationen und Selbstdarstellungen über die Lippen, und auf der Bühne ist der notorisch statische Sänger weitaus weniger fesselnd, als es seine Bewunderer wahrhaben wollen.

An der Rolle des Frontmanns scheint der grotesk Überschätzte also wenig Freude zu haben, ja, seinen ganzen Star-Status trägt er wie eine schwere Last. Und als Songwriter taugt er zu allem Überdruss auch nicht viel. Schon die wenigen Stücke, die er zu Oasis’ Repertoire beisteuerte, überzeugten nicht sonderlich, bei der Nachfolgeband Beady Eye wird diese Schwäche noch offensichtlicher. Ohne seinen begnadeteren Bruder Noel, den der Streitsüchtige unlängst mit einer Verleumdungsklage belegt und dabei wohl endgültig vergrault hat, steht Liam Gallagher ganz allein und völlig nackt vor der Weltöffentlichkeit. Keine beneidenswerte Lage für einen, der nicht nur in England so bedingungslos verehrt wird. (nij)

Eintritt 68 Franken

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6 KOMMENTARE

marc ngabor

12.10.2011, 13:40

Eine absolute Entäuschung! Stimmprobleme? Das ich nicht lache! Schon als dieser bessere John Lennon-Verschnitt reinkam, konnte man es ihm bereits ansehen. Erwarten konnte man sowieso nicht viel. Jetzt können wir nur auf Noel hoffen. Ein Mann der sowieso für super Songwriterqualität steht und für den immer die Musik im Vordergrund stand, nicht seine dumme Attitüde! Cheers!


Thomas Reimann

11.10.2011, 23:42

Bin gerade vom Zürcher Beady Eye Gig im Volkshaus nach Hause gekommen. Der Sound war katastrophal abgemischt und Liam Gallagher gab sich in seiner üblichen schnoddrigen und leicht überheblichen Art. Aber der grösste Skandal an diesem Abend war, dass das Konzert nach 5 Stücken und knapp 30 Minuten abgebrochen wurde. Angeblich weil Liam nicht mehr weiter singen konnte und "Stimmprobleme" hatte wie ein Sprecher des Veranstalters bekannt gab. Einmal mehr macht dieser Mann seinem Ruf alle Ehre. Schade, weil das Album an sich nicht schlecht ist.


Max Meier

11.10.2011, 17:58

Weder zu Oasis geschweige denn zu Beady Eye kann ich mir ein Urteil anmassen. Meine popmusikalische Sozialisation erfolgte in den 60-Jahren. Noel Gallagher und glaube ich auch sein Bruder sind offenbar grosse Lennon-/Beatles-Fans. Und soweit ich dies überhaupt mitbekommen haben war dieser Einfluss in Ihrem Frühwerk unüberhörbar, was ich natürlich keineswegs negativ finde. Allerdings ist mir das Original doch am liebsten .Es beweist einfach, dass die 60's halt musikalisch schon ein sehr spezielles Jahrzehnt waren. Aber jede Generation soll auch ihre musikalischen "Helden" haben ! A propos gefährlich nahe am Plagiat: man vergleiche das Bild in diesem Artikel mit dem Cover von "Rubber Soul" von den Beatles...merksch öppis ?!


Claudio Spescha

11.10.2011, 16:02

Sehr interessanter Artikel. Ich war einmal ein grosser Oasis-Fan (die ersten beiden Alben finde ich immer noch sehr gelungen). Heute gehöre ich definitiv ins Kontra-Liam-Lager. Beady Eye finde ich aber einfach nur langweilig. Ich habe das Konzert auf dem Gurten gesehen: routiniert abgespult, ohne Überraschungen und ohne Kommunikation mit dem Publikum - aber das kennt man ja von Liam. Liam Gallagher kann nur mit dem Publikum kommunizieren, indem er den Fans in der ersten Reihe Prügel androht - etwas, das er von Ian Brown gelernt hat. Die Interviews mit ihm sind ein reines Ärgernis: arrogant, voller Platitüden und - sorry - dumm. Die besseren Songs von Beady Eye sind zwar gefällig - dafür manchmal gefährlich nahe am Plagiat. Man vergleiche einmal "The Roller" mit John Lennons "Insta


Olivier Stöckli

11.10.2011, 13:56

Dieser Artikel hat ein gewaltiges Manko: Erstens schätzt der Autor die Bedeutung von Oasis falsch ein. "Zwei, drei Hits und zahllose Songs...". Tatsächlich waren es in GB das sich am schnellsten verkaufende Debut aller Zeiten und das zweitmeistverkaufte Album aller Zeiten. Selbst Jahre nach ihrem Zenit füllten Oasis noch an drei Abenden das Wembley. Würde man in GB eine Umfrage machen, wäre Oasis wohl die drittgrösste Band aller Zeiten. Zweitens wird nicht Liam, sondern Noel auf der Insel als Volksheld verehrt. Liam hatte eine gute Stimme und konnte passabel singen. Beides ist seit einem Jahrzehnt nicht mehr der Fall, und so sind auch die Auftritte von Beady Eye die reinste Katastrophe. Auf dem Album überraschend gut klingende Songs werden zur Qual. Ein Sänger ohne Stimme ist nicht


Dany Wellgood

11.10.2011, 11:01

Meines Erachtens trifft dieser Beitrag den Nagel genau auf den Kopf! Wer damals als Oasis-Sympathisant (aber nicht als brennender Fan) schon mal an einem Konzert war, staunte sicher nicht schlecht, wie grottenlangweilig die Live Performance des 'mancunian scally' Liam war. Interviews mit ihm sind fast das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt werden; immer die gleiche Leier ohne wirklichen Inhalt. Oasis hatten definitiv ihren berechtigten Platz in der Pop-Welt, aber ohne das Dazutun des grossen Bruders scheint Liam als ewig pubertierender zu Recht an Bedeutung zu verlieren. Ich denke, dass auch das britische Publikum dies ziemlich bald realisieren wird.



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