Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Gomorra

La Vita Brutta

Von Claudia Müller. Aktualisiert am 09.11.2011

In Neapel hat die Camorra fast alle Lebensbereiche im Griff. Matteo Garrone zeigt, wie das geht.

Diese zwei Halbstarken träumen davon, Scarface zu sein. Eine schlechte Idee.

Diese zwei Halbstarken träumen davon, Scarface zu sein. Eine schlechte Idee.

Gomorra

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«Bist du für uns oder gegen uns?» Totò ist dreizehn Jahre alt, und er muss sich entscheiden. Lockt er die Mutter seines Freundes aus dem Haus, wird sie sterben. Tut er es nicht, gehört er nicht mehr zum Clan. Ein «mal sehen» als Antwort wird nicht geduldet. In Scampia, dem nördlichen Stadtteil an der Peripherie von Neapel, gilt das Gesetz der Camorra. Entweder-oder; etwas dazwischen gibt es nicht, vor allem wenn unter den Clans Krieg herrscht. Doch der Junge ist nicht der Einzige, der zwischen die Fronten gerät. Don Ciro, ein ergrauter älterer Herr, verteilt im Auftrag des Mafia-Clans «la semmana». Geld, welches Angehörige der Toten oder Inhaftierten als Entschädigung zum Lebensunterhalt bekommen. Auch er wird wie Totò in die Enge getrieben und muss feststellen, dass er längst Teil des organisierten Verbrechens geworden ist.

Neben diesen zwei Geschichten, die eng miteinander verwoben sind, wird anhand von weiteren Einzelschicksalen das System der Mafia beleuchtet, welches längst global agiert. Der Schneider Pasquale fertigt für einen Hungerlohn in kürzester Zeit Haute-Couture-Roben an, die später von Hollywoodstars auf dem roten Teppich getragen werden. Die beiden jungen Männer Ciro und Marco sind hingegen von der Gangsterwelt fasziniert. Sie rezitieren Passagen aus dem Film «Scarface» und träumen davon, selbst einmal die ganze Welt zu besitzen.

Und dann wäre da noch Roberto, der das Geschäft der Müllentsorgung kennen lernt. Giftige Abfälle werden von Vertretern des organisierten Verbrechens auf Kosten der Menschen, die in der Gegend leben, preiswert entsorgt.

Matteo Garrones Spielfilm basiert auf dem gleichnamigen Buch von Roberto Saviano. Der italienische Regisseur, der teilweise mit einer Handkamera selbst gefilmt hat, nimmt das Publikum nicht an der Hand. Er setzt es vielmehr hin und zeigt ihm nüchtern ein Italien, dass wir so nur ungern sehen möchten:

Düstere und trostlose Gegenden, in denen Kinder aufwachsen, die nur das Gesetz der Mafia kennen. In neorealistischer Tradition hat Garrone teilweise Laienschauspieler eingesetzt. Gerade deshalb wirken Totò, Marco und Ciro vielleicht so authentisch.

Garrone hat für seinen Film im Jahr 2008 den europäischen Filmpreis erhalten. Der Autor Roberto Saviano dagegen erhielt Morddrohungen und lebt seit dem Erscheinen seines Buches im Untergrund. Denn er nennt die Feinde beim Namen. «Der Film dagegen», so der Regisseur, «verzichtet darauf und lebt von den Bildern und den Emotionen.»

So 13.11 und 20.11., 14.15 Uhr

Gomorra

Regie:Matteo Garrone
Produktion:Italy 2008; 137 min.
Genre:Crime, Drama
Erstaufführung:23.10.2008
Darsteller:Salvatore Abruzzese, Simone Sacchettino, Salvatore Ruocco, Vincenzo Fabricino, Vincenzo Altamura

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