Tages-Anzeiger



Deadpool

Kein edler Held

Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 10.02.2016

Der schöne Ryan Reynolds spielt einen grässlich entstellten Zyniker in dieser von Anspielungen wimmelnden Comicverfilmung.

Unter dieser Maske steckt ein Gesicht, das aussieht «wie ein Hoden mit Zähnen».

Unter dieser Maske steckt ein Gesicht, das aussieht «wie ein Hoden mit Zähnen».

Deadpool

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«Schauen Sie weg, jetzt wird es unappetitlich», sagt Deadpool direkt in die Kamera, bevor er einen Gegner umbringt. Dabei ist der Mann nicht zimperlich: Zuvor hat er jemandem einen glühenden Zigarettenanzünder in den Mund gestopft. Deadpool ist eine Comicfigur, die 1991 erstmals in einem Marvel Comic auftauchte. Der Mann, der eigentlich Wade Wilson heisst, gehörte einst den amerikanischen Special Forces an. Danach wurde er Söldner. «Ein Böser, der angestellt ist, um noch Bösere unschädlich zu machen», wie er nun im Film uns, dem Publikum, erklärt. Denn Deadpool redet nun mal gern.

Als bei Wilson Krebs im Endstadium festgestellt wurde, liess er sich ein geheimnisvolles Serum spritzen. Dieses heilte ihn und verlieh ihm übermenschliche Regenerationsfähigkeiten. Doch sein Gewebe vernarbte von Kopf bis Fuss aufs Grässlichste, und er sollte den Leuten, die ihm das Serum verabreicht hatten, als Supersklave dienen. Letzteres konnte er verhindern, aber er sah tatsächlich aus «wie ein Hoden mit Zähnen», um ihn zu zitieren. Um seiner Geliebten diesen Anblick zu ersparen, versteckte der Mutant sich unter einem Kostüm und nannte sich Deadpool. Er ist aber kein edler Held, sondern ein Zyniker, der nur eines will: sich an seinem Peiniger (Ed Skrein) rächen. Deswegen laufen auch alle Versuche der X-Men, ihn für ihre Organisation zu gewinnen, ins Leere.

Ausgerechnet der Schönling Ryan Reynolds («The Proposal») wollte diesen Entstellten in einer Filmversion spielen. Deshalb wurde er Produzent und liess den Computeranimationsspezialisten Tim Miller erstmals Regie führen. Eine gute Idee.

Wie im selbstironischen Arnold-Schwarzenegger-Film «The Last Action Hero» oder in Wes Cravens Horrorfilmreihe «Scream» wird auch hier mit den Realitätsebenen gespielt: Deadpool ist sich bewusst, dass er eine Filmfigur ist, und macht entsprechende Kommentare. Und so wie Batman seinen Robin hat, hat auch Deadpool eine Gefährtin: eine schwarze Drogensüchtige, die, obschon sie blind ist, unverdrossen Ikea-Regale zusammenzubauen versucht. Wer solche Scherze mag, darf «Deadpool» auf keinen Fall verpassen.

Deadpool

Regie:Tim Miller
Produktion:Canada, USA 2016; 108 min.
Genre:Action, Adventure, Comedy, Fantasy, Sci-fi, Thriller
Erstaufführung:11.02.2016
Darsteller:Ryan Reynolds, Karan Soni, Ed Skrein, Michael Benyaer, Stefan Kapicic

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