Tages-Anzeiger



Where to Invade Next

Ideen erbeuten

Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 24.02.2016

Michael Moore grast Europa nach sozialen Errungenschaften ab. Das ist manipulativ und lustig.

Allein auf Eroberungszug: Michael Moore.

Allein auf Eroberungszug: Michael Moore.

Where to Invade Next

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Hach, war es früher eine Lust, Imperialist zu sein: Man eroberte ein Land seiner Wahl und brachte heim, was man gerade brauchen konnte: Sklaven, Gewürze, Obelisken. Doch die USA haben schon lange keinen Krieg mehr gewonnen, und so hat sich der Filmer Michael Moore aufgemacht, um aus Ländern, ­deren Namen er aussprechen kann, Ideen zu importieren, die seiner Heimat guttun würden.

Der Film ist also für Amerikaner gemacht, die nur staunen können darüber, dass es zum Beispiel in Italien Firmenchefs gibt, die finden, Profit und das Wohlergehen der Angestellten schliessen sich nicht aus. Oder dass in Deutschland Angestellte einer Bleistiftfabrik nicht noch zwei weitere Jobs brauchen, damit sie finanziell über die Runden kommen. Oder dass man in Slowenien keine Studiengebühren zahlen muss, sodass man dort als Kind wenig begüterter Eltern studieren kann, ohne sich auf Jahre hinaus verschulden zu müssen.

Moore ist wie immer tendenziös, manipulativ und manchmal auch heuchlerisch: So schwärmt er davon, was in der Kantine einer französischen Kleinstadtschule für gesundes Essen gekocht wird. Aber er selbst ist seit seinem Erstling «Roger & Me» (1996) tatsächlich noch schwabbliger geworden. Und so ein Wanst rührt ­eindeutig nicht von gesundem Essen her, obschon der weltweit erfolgreiche Filmemacher sich ja mittlerweile Besseres als Junkfood leisten könnte.

Doch wie immer ist Moore auch sehr unterhaltsam. Und uns Europäern macht er deutlich, was für grossartige Dinge unsere Vorfahren erkämpft haben – Dinge, die wir verlieren würden, wenn es der Rechten gelänge, die sozialen Errungenschaften aufzuheben und zum Steinzeitkapitalismus zurückzukehren.

Where to Invade Next

Regie:Michael Moore
Produktion:USA 2015; 120 min.
Genre:Documentary
Erstaufführung:25.02.2016
Darsteller:Michael Moore, Krista Kiuru, Tim Walker

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3 KOMMENTARE

J J Feller Montreal

28.02.2016, 13:24
star1

Moore ist ein Genie!!! Norwegen und Schweden sind seine Vorbilder, beide am Rande des Bankrotts. Das ist das Resultat linker Regierungen und deren Ziel. Nicht nur in Skandinavien sondern weltweit: Castro, Chavez, Morales, Obama, China, UdSSR, Portugual, Frankreich, Afrika und immer sind die Andern schuld daran, Moore freuts, neues seichtes Filmmaterial!


Josef Hofstetter

28.02.2016, 09:52
star1

Warum wird Michael Moore hochgejubelt. Ist es nur weil er extrem links ist. Ist es weil er vom Kapitalismus massenhaft profitiert und gleichzeitig verdammt. Bei Michael Moore geht es nur um Sensationen und gegen die bestehende Demokratie. Am besten würde er sich im alten stalinistischen Russland wohl fühlen, aber da hätte er ja zuwenig Publikum und genügend Geldquellen. Hat Michael Moore in einem seiner Filme tatsächlich sorgfältig recherchiert. . Ich glaube kaum, denn es geht i ihm nur um Sensationshascherei.


ss frei

28.02.2016, 09:23
star1

eindeutig eine marktnische : kritische entscheide, regierungen und leute unter die lupe nehmen (am besten solche die sich provoziert fühlen) und dann herumstochern. in den US mag dies ja wertvoll sein, hier kennen wir unsere (vorallem) schwächen schon : dekadenz und gleichgültigkeit. daraus aber kapital schlagen und wie sozis auf missstände aufmerksam machen, da braucht's nicht unbedingt einen moore. die tausend NGO wäre ja da, lassen sich aber lieber auch finanzieren wie aktiv werden....



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