Tages-Anzeiger



Iberische Klassik

Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 06.01.2016

Die Qualität in diesem spanischen Restaurant hat ihren Preis.

Langer Knochen, schöne Kruste: Das Kalbskotelett ist sein Geld wert.

Langer Knochen, schöne Kruste: Das Kalbskotelett ist sein Geld wert.

José Varela war viele Jahre lang das Gesicht des Restaurants Gran Sasso im Kreis 3. Nach der zwischenzeitlichen Rückkehr in seine spanische Heimat führt er seit Ende letzten ­Jahres wieder ein Lokal in Zürich. Diesmal im gutbürgerlichen Hottingen, einen kurzen Spaziergang vom Kunsthaus entfernt.

Einen in die Gaststube integrierten Holzkohlegrill wie im Gran Sasso, wo Varela stets die grossen Fleischstücke überwachte, gibt es an der neuen Adresse nicht. Der Fokus der Küche, die von einem weiteren José – er trägt den Nach­namen Gonçalves – geleitet wird, ist aber der gleiche geblieben. Will heissen: In den Wolfbach kommt man vor allem der edlen Stücke von Rind und Kalb wegen. Oder, um einen Seeteufel oder eine Seezunge zu geniessen.

Zur Begrüssung gabs erst einmal ein Tellerchen mit ausgezeichneter Kartoffeltortilla. Danach teilten wir uns eine Portion von den grillierten Riesengarnelen aus Südafrika (60 Fr.), die wahrhaft riesenhafte Ausmasse hatten. Viel kann man da nicht falsch machen, die Frische der ­dezent mit Knoblauch aromatisierten Meerestiere möchten wir gleichwohl hervorheben. Ein wenig uninspiriert kam der gemischte Salat (10.50 Fr.) daher. Warum nur werden die winterlichen ­Sorten so selten berücksichtigt?

Bei den Hauptgerichten vermochte die Küche zu glänzen: butterzart und mit einer ­schönen Kruste versehen das Kalbskotelett mit langem Knochen (500 g/65 Fr.), mürb und saftig das US-Rindsfilet Wolfbach (58 Fr.) an einer sämigen Sauce mit Peperoni, Pilzen und ?Artischocken. Die spanischen Bratkartoffeln (8.50 Fr.) – sehr dünn und sehr knusprig – waren wie im Gran Sasso ein Gedicht, der Safranrisotto (8.50 Fr.) gefiel mit Schlotzigkeit und leuchtend gelber Farbe. Eine Spur weniger Salz, und er wäre perfekt gewesen.

Solide fanden wir die Crema catalana (10 Fr.) mit einer etwas gar dicken Platte aus karamellisiertem Zucker, zu gummig die Panna cotta (10 Fr.). Bei diesem Dessert sollte es ja das Ziel sein, dass der Löffel fast widerstandslos durchgleitet, nicht aber, dass es vor lauter Gelatine erdbebenfest wird. Insgesamt ist das Niveau der Küche trotz des kleinen Absturzes zum Ende des Menüs sehr ansprechend. Die charmante ­Betreuung durch den Chef und seine gut ausgebildete Servicecrew lässt einen auch die doch recht happigen Preise leichter schlucken.

Das Wolfbach wird denn auch vorwiegend von der gut betuchten Zürichberg-Kundschaft frequentiert. Diese ist in ihrem Wohnbezirk ja nicht gerade übertrieben mit guten Restaurants gesegnet und scheint sehr dankbar für das ­belebende spanische Element.

Mo–Fr 11–15 Uhr und 18–24 Uhr, Sa 18–24 Uhr Vorspeisen 9.50–34 Franken, Hauptspeisen 28–65 Franken www.wolfbach-zh.ch

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