Tages-Anzeiger



Mustang

Hausarrest

Von Anna Kappeler. Aktualisiert am 17.02.2016

Fünf bildschöne türkische Schwestern werden eingesperrt, weil sie Schande über die Familie gebracht haben sollen. Sie wehren sich.

Wird das Mädchen zwecks Verheiratung hier auf seine Jungfräulichkeit hin inspiziert?

Wird das Mädchen zwecks Verheiratung hier auf seine Jungfräulichkeit hin inspiziert?

Mustang

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Am Anfang steht ein Spiel voller ?Unschuld: Fünf türkische Schwestern planschen auf den Schultern von Schulkameraden im Meer, wild wie der ­titelgebende Mustang. Doch kaum zu Hause angekommen, werden die in einem Dorf bei Grossmutter und Onkel lebenden Waisenmädchen bestraft. Da sie mit ihrem Bad Schande über die Familie gebracht haben sollen, dürfen sie das Haus fortan kaum mehr verlassen. Es ist das abrupte Ende ihrer Unbeschwertheit, denn möglichst schnell sollen die Heranwachsenden nun verheiratet werden.

Selbst als das Haus zum Gefängnis ­und die Geschehnisse dramatisch geworden sind, behält die türkische Filmemacherin Deniz Gamze Ergüven in ihrem Erstling einen leichtfüssigen Tonfall bei. Erzählt wird in warmen Farben aus der Sicht der etwa zwölfjährigen Jüngsten (Güne? Nezihe ?ensoy), der Wildesten der fünf. Die bildschönen Protagonistinnen, bis auf eine alles Laiendarstellerinnen, werden dabei als ­mutige Heldinnen inszeniert.

Voll Erfindungsreichtum versuchen sie, auszubrechen aus dem Eingesperrtsein und aufzubegehren gegen die patriarchalen ­Gesellschaftsformen der ländlichen Türkei. Doch einfach ist das nicht.

In Cannes gab es nach der Aufführung von «Mustang» minutenlange Standing Ovations. Tatsächlich schafft es die an einer französischen Filmhochschule ausgebildete Deniz Gamze Ergüven, die Lebensfreude der Mädchen auf die Zuschauer zu übertragen. Vorwerfen muss man dieser Geschichte einer Emanzipation aber, dass die Fronten zwischen Gut und Böse zu einfach verteilt sind und dass der Kampf der modernen jungen Frauen gegen die konservativen Dorfbewohner (ältere Frauen inklusive) zu schwarz-weiss geraten ist.

Dass der Film gleichwohl nachhallt, verdankt er seinen hervorragenden Darstellerinnen.

Mustang

Regie:Deniz Gamze Ergüven
Produktion:France, Germany, Qatar, Turkey 2015; 97 min.
Genre:Drama
Erstaufführung:18.02.2016
Darsteller:Günes Sensoy, Doga Zeynep Doguslu, Tugba Sunguroglu, Elit Iscan, Ilayda Akdogan

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