Härtere Zeiten
Von Philipp Anz. Aktualisiert am 16.07.2012
«I’m Miss Dy-na-mi-tee-ee»: Es war eine eher einfache Zeile, die da 2002 aus den Lautsprechern purzelte. Aber wie die junge Londonerin sie betonte, war unwiderstehlich. Niomi McLean-Daley alias Ms Dynamite hatte davor ihre ersten Mikrofonerfahrungen bei einem Piratenradio gesammelt und als MC für einen Hit in der UK-Garage-Szene gesorgt. Das erste Album «A Little Deeper» bot dann eine Mischung aus R ’n’ B und Hip-Hop mit betörend viel Pop-Verstand, Texte mit Verve und eine Soul-Stimme irgendwo «zwischen Lauryn Hill und Nelly Furtado». So war es jedenfalls bei der BBC zu hören und zu lesen.
Für die Platte gewann Ms Dynamite als erste schwarze Sängerin den renommierten Mercury Price. Und die englische Musikwelt hoffte, dass nun endlich eine der ihren den R-’n’-B-Markt der USA knacken würde. Das zweite Album 2005 klang dann dementsprechend auch sehr amerikanisch – damit aber austauschbar und glatt. Die Resonanz blieb bescheiden, Ms Dynamite zeigte sich enttäuscht, löste ihren Plattenvertrag auf, verschwand von der Bildfläche und konzentrierte sich auf etwas ganz anderes: aufs Muttersein.
Heute ist ihr Sohn neun und somit die Zeit reif, die Mutter wieder zur Dynamit-Miss zu machen. Ende 2010 tauchte die 31-Jährige im Duett mit der Dubstep-Sängerin Katy B erneut ganz vorne in der Hitparade auf. Im letzten Jahr folgte die eigene Comeback-Single «Neva Soft», die mit Drum-’n’-Bass-Beats und stotternder Perkussion härter und dunkler als die alten Erfolge von 2002 klang. Ein Album soll in Vorbereitung sein, und damit ist mit dem «original bad girl» ganz eindeutig wieder zu rechnen.



