Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Messies, ein schönes Chaos

Götter des Gerümpels

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 29.02.2012

Einfühlsam porträtiert der Schweizer Dokumentarfilm vier unordentliche Leute, die in ihrem Kram versinken.

Wie findet diese Frau vor lauter Tonbandkassetten noch ihr Abspielgerät?

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Messies, ein schönes Chaos

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Schlüssel, Stühle, Pannenlichter, Radios: Karl träumt davon, ein begehbares Lexikon der Gegenstände zu schaffen. Heisst: Er kann nichts wegwerfen. So viel Zeug hat sich in seinem Bauernhaus angehäuft, dass er zusätzliche Scheunen hat mieten müssen. Gangbar ist daheim nur noch die Küche: Dort zankt er sich mit seiner Frau, die bald auszieht, weil für sie kein Platz mehr vorhanden ist.

Liebevoll und mit scharfem Blick für aufschlussreiche Situationen beobachtet Ulrich Grossenbachers Dokumentarfilm vier Messies. Wie Bergsteiger der Dinge absolvieren sie alltägliche Hindernisläufe: Elmira etwa klettert daheim über meterhoch aufgestapelte Kassetten, auf denen abertausend Radiosendungen warten. Thomas wiederum weidet kaputte Billettautomaten aus, um zwischen allerhand Tinnef neue Geräte zu basteln.

Man schmeisst sich da öfter mal weg vor Lachen. Zugleich tut sich zeitgenössische Tragik auf: Todtraurig etwa ist der Kampf von Arthur gegen die Behörden. Er verteilt seine ausrangierten «Baumaschini» rund um den Hof im Berner Oberland und wird zwischen Passion und Raumplanungsgesetz aufgerieben. «Messies» pathologisiert nicht, sondern zeigt moderne Menschen: Sie sind mit ihren Dingen verwoben und überwinden damit die Trennung von Natur und Kultur, von Brauchbarem und Unbrauchbarem.

Ihre Leidenschaft für Krempel erregt die Gemüter, weil sich in ihr ein völlig anderes Verständnis der Welt und von Werten äussert. Schade, dass der an der «Semaine de la critique» in Locarno geehrte Dokumentarfilm solche gesellschaftlichen Phänomene nur streift. Vielleicht hätte sich mit einer essayistischeren Erzählweise das Thema noch besser einfangen lassen.

Messies, ein schönes Chaos

Regie:Ulrich Grossenbacher
Produktion:Switzerland 2011; 117 min.
Genre:Documentary
Erstaufführung:01.03.2012

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