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«Es fällt mir schwer, nicht zu arbeiten »

Von Andreas Scheiner. Aktualisiert am 20.02.2012

Sie ist die erfolgreichste Produzentin Hollywoods und arbeitet seit 25 Jahren mit Steven Spielberg. Zum Meisterregisseur beantwortet Kathleen Kennedy alle Fragen – ausser einer.

War Horse

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War Horse

1914 muss ein englischer Farmersjunge (Jeremy Irvine) miterleben, wie sein geliebtes Fohlen an die Armee verkauft wird. Bald findet sich das Pferd aufseiten der Deutschen wieder, und irgendwann landet es bei einem Mädchen in Frankreich. Der Farmersjunge, der in der Zwischenzeit ins Militär eingezogen worden ist, macht sich daran, das Pferd zu finden.

Das erste Bild zeigt einen Sonnenaufgang, das letzte einen Sonnenuntergang: Steven Spielberg hat Michael Morpurgos Jugendroman als epischen Schmachtfetzen verfilmt. Stellenweise trägt der Altmeister zu dick auf. Zugleich schreckt er aber auch nicht davor zurück, die Figuren ins Verderben laufen zu lassen – und diese Gratwanderung zwischen ungeschöntem Kriegs- und idyllischem Familienfilm fasziniert. (ase)

Mrs. Kennedy, Sie haben seit den späten Siebzigerjahren 78 Filme produziert, also zweieinhalb Filme pro Jahr. Wie schaffen Sie das?
Jeder arbeitet viel, wenn es ihm nicht wie Arbeit vorkommt. Mir fällt es schwer, nicht zu arbeiten. Lese ich ein gutes Buch, denke ich: «Wie könnte man daraus einen Film machen?»

Sind Sie je ans Limit gekommen?
Letztes Jahr! Wir stellten «Tintin» fertig und hatten sogar schon mit unserem nächsten Film, «Lincoln», begonnen, als wie aus dem Nichts «War Horse» kam. Der Film war nicht geplant: Ich war mit meinem Mann und meinen Mädchen kurz in London, meine Töchter lieben Pferde, also haben wir uns das Theaterstück «War Horse» angesehen. Von der Geschichte war ich so hingerissen, dass ich sofort zu Steven gerannt bin.

Sie planten «War Horse» während «Tintin»?
«Tintin» war im Endstadium, und für «Lincoln» hatten wir ein festes Zeitfenster, weil wir in Regierungsgebäuden drehten, die uns nur für einen kurzen Zeitraum zur Verfügung standen. Als sich dann «War Horse» dazwischenschob, bin ich morgens manchmal aus dem Bett gekrochen und habe mir gewünscht, eine Pause einlegen zu können.

Stimmt es, dass Sie in den Siebzigerjahren Ihre Heimatstadt und Ihren Freund verliessen, um als Sekretärin für Spielberg zu arbeiten?
Weitgehend. Zwar war es nicht meine Heimatstadt, sondern San Diego, wo ich aufs College ging, aber ich habe tatsächlich mit meinem Freund zusammengelebt, als ich die Möglichkeit erhielt, als Produktionsassistentin in Stevens Firma zu arbeiten.

Hat Spielberg schon einmal einen Film abgelehnt, den Sie machen wollten?
Das gabs. Viel mehr beschäftigen mich aber Filme, die andere gemacht haben und bei denen ich dachte: «Den hätte ich gern gemacht!»

Ein Beispiel, bitte.
«Moulin Rouge».

Ein Musical? Mit Steven Spielberg als Regisseur?
Er würde liebend gern ein Musical machen.

Der Regisseur Terry Gilliam hat gesagt, ein Regisseur wie Stanley Kubrick rege zum Denken an, bei Spielberg dagegen könne man seine Sorgen vergessen.
Das stimmt nicht. Natürlich sind Spielbergs und Kubricks Filme grundverschieden. Aber Kubrick ist ein Vorbild von Spielberg, Steven liebt jeden einzelnen seiner Filme. Richtig ist: Stevens Filme geben Hoffnung. Manche Filmemacher haben das Verlangen, möglichst tief zu graben, Fragen aufzuwerfen, die dunklen Seiten zu beleuchten . . . Aber zu sagen, dass Stevens Filme nicht erhellend seien, einen nicht zum Denken anregten – das kann ich so nicht stehen lassen.

Sie waren sechsmal für einen Oscar nominiert. Angenommen, Sie gewinnen dieses Jahr: Wem danken Sie in Ihrer Rede zuerst, Spielberg oder Ihrem Mann?
Oh, mein Gott, diese Frage werde ich auf keinen Fall beantworten! Sind Sie wahnsinnig geworden? Wollen Sie, dass ich meine Ehe aufs Spiel setze? Unsere Zeit ist um, gehen Sie!

War Horse

Regie:Steven Spielberg
Produktion:USA 2011; 146 min.
Genre:Drama, War
Erstaufführung:16.02.2012
Darsteller:Jeremy Irvine, Peter Mullan, Emily Watson, Niels Arestrup, David Thewlis

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