Tages-Anzeiger



Des vents contraires

Ein grosses Loch

Von Kathrin Halter. Aktualisiert am 20.06.2012

Nach einem Streit ist die Mutter (Audrey Tautou) verschwunden. Der Vater flüchtet mit den Kindern von Paris nach Saint-Malo. Doch damit sind seine Probleme keineswegs gelöst.


Der Schein trügt: So lustig haben es Vater und Tochter sonst nicht in diesem Drama.

Der Schein trügt: So lustig haben es Vater und Tochter sonst nicht in diesem Drama.

Des vents contraires

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Alle sind so schrecklich rücksichtsvoll. «Ich weiss, was du durchmachst», sagt ein früherer Schulkollege und klopft Paul (Benoît Magimel) verlegen auf die Schulter. Nein, das weiss er eben nicht. Keine Ahnung hat der Kerl, denkt Paul, was einer empfindet, wenn seine Frau (Audrey Tautou) nach einem Streit spurlos verschwindet; und wenn einen danach die vorwurfsvollen Blicke seiner Kinder treffen. Wochenlang.

Der Schriftsteller ist mit den Kleinen aus Paris nach Saint-Malo in das Haus seiner verstorbenen Eltern geflüchtet. Nun jobbt Paul als Fahrlehrer in der Firma seines Bruders, freundet sich mit anderen Verzweifelten wie etwa einem arabischen Möbelpacker an, der sich mit seiner Ex-Frau um die Kinder streitet. Und beantwortet mürrisch die Fragen der Polizei.

Jalil Lesperts Erstling erzählt also vom Umgang mit Verlust und entsetzlicher Ungewissheit. Benoît Magimel macht die Trauer des Vaters gut nachvollziehbar. Schauspielerisch hält er sich zurück; Pauls Gefühle äussern sich vor allem in einem stummen Brüten. Dieser ist schliesslich nicht nur Opfer, sondern macht auch dumme Fehler und gerät sogar ins Zwielicht: Hat er gegenüber seiner Frau vielleicht Schuld auf sich geladen?

Die verhalten intensive Stimmung des Films wird durch die graublauen Farben der nordfranzösischen Küste noch verstärkt. Kitschverdächtig hingegen ist das Happy End geraten: aufgesetzt und halbherzig, mit Strandvilla und neuem Schriftstellerglück. Es schadet dem Film aber nur wenig. Und am Wissen um das Geschehene ändert es nichts.

17 Uhr, 21 Uhr

Des vents contraires

Regie:Jalil Lespert
Produktion:Belgium, France 2011; 91 min.
Genre:Drama, Mystery
Erstaufführung:21.06.2012
Darsteller:Audrey Tautou, Benoît Magimel, Isabelle Carré, Antoine Duléry, Ramzy Bedia

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