Tages-Anzeiger



Edles im Brötchen

Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 10.02.2016

Wer eine Schwäche für nostalgische Noblesse hat, wird sich hier sehr wohl fühlen.

Über die Treppe mit dem blauen Läufer gehts hoch zum imposanten Eingangstor des Eden au Lac und von dort nach rechts in die Lobby-­Bar. Sogleich führt uns eine freundliche Dame mit weissen Handschuhen an einen Tisch am ­Fenster. Bequem platziert auf gut gepolsterten Sesseln, studieren wir das ein wenig in die Jahre gekommene, aber wohl gerade deshalb charmante Interieur. Der grosse Kronleuchter fällt uns auf, vor allem aber der laublose Baum, auf dem sich ein knappes Dutzend ausgestopfter Papageien tummelt.

Doch wir sind ja zum Essen gekommen und nicht, um zoologische Studien zu betreiben. Unsere Wahl fällt auf den gemischten Salat (9 Fr.) zur Vorspeise, den Hummer-Burger (36 Fr.) und den De-luxe-Burger mit gebratener Entenleber (45 Fr.).

Zum hübsch angerichteten Gemischten aus Nüsslisalat, Ciccorino, Gurke, Cherrytomaten und Sprossen gibts ein ebenso altmodisches wie gelungenes French Dressing im Silberkännchen.

Die beiden Burger folgen nach rund ­15 Minuten Wartezeit. Jener mit Hummer ist auf einer Etagère platziert: zuoberst der Hauptdarsteller selbst, darunter Ketchup und Mayonnaise sowie herrlich knusprige Pommes Allumettes. Da die Küche eine ordentliche Portion zartes, schmackhaftes Hummerfleisch zwischen die beiden Hälften des erstklassigen Buns gepackt hat, ist das Konstrukt mit den Händen schwer zu kontrollieren. Macht nichts, für etwas gibts ja die gestärkten Stoffservietten. Obs die Tomaten-, Gurken- und Eischeiben wirklich braucht? Uns hätten die gute Cocktailsauce, die Speckchips und ein wenig Zitrone als Begleitung zum Hummer gereicht.

Der De-luxe-Burger – zu ihm werden handgeschnitzte und ebenfalls sehr gelungene Pommes frites serviert – ist saftig und innen schön rosa. ?Die gekonnt gebratene Entenleber in seinem ?Inneren geht neben Tomate, Essiggurke und Salat ein wenig unter; den Trüffeljus lassen wir in der Saucière, uns gefällt der Burger so, wie er ist. Ohne Trüffeljus und Foie gras ist er übrigens 13 Franken günstiger zu haben. Andernorts gibt es soliden Barfood sicherlich zu tieferen Preisen, die nostalgisch entspannende Atmosphäre und der sehr aufmerksame Service sind die paar Franken extra aber wert. Denn wo sonst trägt das Personal noch weisse Handschuhe, als wäre es einem Agatha-Christie-Roman entsprungen?

Mo–So 9–0.30 Uhr (warme Küche bis 23.30 Uhr) Vorspeisen 9–38 Franken, Hauptspeisen 25–45 Franken

Lobby-Bar im Eden Au Lac, Utoquai 45, 8008 Zürich
www.edenaulac.chLink

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3 KOMMENTARE

Regula Gobetti

18.02.2016, 06:53

Ist in diesem Lokal noch nicht angekommen, so wie in den Köpfen der Testesser übrigens auch, dass Foie gras/ Entenstopfleber, sowie Hummer, nicht konsumiert werden sollten......das dies für einige Menschen ein kulinarisches Erlebnis sein soll ist nur unchic und dumm, da uninformiert. Das Fressen kommt eben oft vor der Moral. Das die handgeschnittenen Pommes ein Gedicht sind glaub ich und lässt mein Herz höher schlagen.


Amareto Confeiteiro

17.02.2016, 16:20

Bei diesen Preisen verfalle ich in melancholische Nostalgie. Das waren noch Zeiten, als ein Bürli mit Wurst „foif Stutz“ am Bellevue gekostet hat und nach 15 Sekunden Wartezeit (spätestens) von einem Mann mit fettigen Pfoten und kerniger Noblesse serviert wurde.


Richard Meier

17.02.2016, 09:31

Die Geissel des Genussmenschen sind, in dieser Reihenfolge, erst der Filmkritiker und dann selbsternannte Küchentester wie Sie. Herr Kühn, kehren sie zurück ans Resultatpult und schreiben sie fleissig Tabellen. Das können sie besser.



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