Tages-Anzeiger



Je suis Charlie

Die Freiheit zu lachen

Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 06.01.2016

Humor ist das beste Gegengift gegen Fanatismus, zeigt diese intelligente Dokumentarfilm.

Zwei Millionen Menschen gedachten in Paris der Opfer.

Zwei Millionen Menschen gedachten in Paris der Opfer.

Je suis Charlie

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Stellen Sie sich vor, Sie wollen gerade Ihr Kind aus der Krippe abholen. Da werden Sie von zwei Vermummten gepackt und – den Lauf einer Kalaschnikow im Rücken – gezwungen, den Code einzugeben, der die Panzertür zur Redaktion öffnet. Es ist die Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo», wo Sie und Ihre Kollegen eben eine Sitzung gehabt haben.

Genau das war die Situation der Zeichnerin Coco am 7.?Januar 2015. Sie selbst kam mit dem Leben davon, aber acht ihrer Kollegen wurden getötet. Coco erzählt dies Daniel und Emmanuel Leconte, den Regisseuren des Dokumentarfilms «Je suis Charlie». Von den Solidaritätsdemonstrationen für das Magazin, die allein in ­Paris fast zwei Millionen Menschen mobilisierten, blendet das Vater-Sohn-Gespann Leconte zurück ins Jahr 2007 zum Prozess, den muslimische Organisationen gegen «Charlie Hebdo» angestrengt hatten. Das Satiremagazin hatte nicht nur die dänischen Mohammed-Karikaturen nachgedruckt, sondern für das Titelblatt hatte Cabu einen weinenden Propheten gezeichnet mit der Unterschrift: «Es ist hart, von Arschlöchern geliebt zu werden». Die Zeitschrift gewann den Prozess. Cabu wurde im Januar 2015 von den Terroristen erschossen.

Der Film der Lecontes ist so aufwühlend wie intelligent, denn er lässt nicht nur die Erschossenen zu Wort kommen, sondern auch den ehemaligen Chefredaktor des Magazins, Philippe Val, einen Windbeutel erster Sahne. Man erfährt auch, wie schnell Kommentatoren bei der Hand waren, die schrieben, die «Charlie Hebdo»-Leute hätten sich das Massaker selbst zuzuschreiben. Das Wichtigste ist aber, dass der Film einen über die Frage grübeln lässt: «Wie hätte ich mich in Cocos Situation wohl verhalten?»

Je suis Charlie

Regie:Daniel Leconte, Emmanuel Leconte
Produktion:France 2015; 90 min.
Genre:Documentary
Erstaufführung:07.01.2016
Darsteller:Catherine Meurisse, Cabu, Luz, Philippe Val, Georges Wolinski

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