Tages-Anzeiger



Des Teufels Intendant

Von Bruno Rauch. Aktualisiert am 13.01.2016

Dušan David Parízek bringt Klaus Manns «Mephisto» auf die Bühne. Und stellt grundsätzliche Fragen zum Wesen des Schauspielers.

Ein grosser Schauspieler macht sich zu einem «Affen der Macht», auch davon erzählt dieser Abend.

Ein grosser Schauspieler macht sich zu einem «Affen der Macht», auch davon erzählt dieser Abend.
Bild: T + T Fotografie / Toni Suter


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Klaus Manns «Roman einer Karriere», wie der Untertitel seines Buchs «Mephisto» lautet, hat zweifellos das Zeug zur Bühnenadaptation, ist die zentrale Figur doch ein berühmter Schauspieler. Und eine von dessen erfolgreichsten Rollen war Mephisto in Goethes «Faust».

Unmissverständlich: Autor Mann hatte bei der Titelfigur Hendrik Höfgen seines 1936 im Exil veröffentlichten Romans ganz klar seinen einstigen Freund und kurzzeitigen Schwager im Visier: Gus­taf Gründgens (1899–1963), einen der schillerndsten Theatermänner – Schauspieler, Regisseur, Intendant – seiner Zeit. Der Protégé Görings war ein egomaner Opportunist und narzisstischer Nutzniesser des Naziregimes, der aber auch jüdischen Kollegen, Schwulen und Linken beistand – etwa bei der Aufhebung des Berufsverbots oder der Emigration. Mithin eine ebenso zwielichtige wie zwiespältige Figur. Was auch prompt das jahrelange Verbot des Buchs bewirkte sowie eine Erklärung des Autors erzwang, dass es sich dabei nicht um ein Porträt, sondern einen Typus des Künstlers handle, der seine Karriere über alles stelle.

Parízek eigene Bühnenfassung des Romans setzt hier an, indem sie sich zwar an die Vorlage und die realen historischen Bezüge hält, darüber hinaus aber Fragen aufwirft bezüglich Haltung und Stellung des Schauspielers gegenüber der Realität, der Politik, der Gesellschaft – kurz: das Verhältnis von Kunst und Leben thematisiert, was sich im bezeichnenden Schlusssatz des Buchs niederschlägt: «Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler!»

Wie immer hat der tschechisch-deutsche Regisseur den Text stark auf die jeweiligen Akteure zugeschnitten, im speziellen Fall ein fünfköpfiges Ensemble, von dem jeder drei bis vier Rollen spielt, ausser Michael Neuenschwander, der die Titelfigur gibt. Der theatralen Situation geschuldet ist auch das suggestive Bühnenbild, das vom Regisseur selbst stammt: ein nach hinten spitz zulaufender Raum, der an der Rampe seine Fortsetzung in einer auskragenden eckigen Spielfläche findet, sodass Bühne und Parkett ineinander verzahnt sind. Eine Bühne für die Bühne, sozusagen. Oder: Wo sind die Grenzen der Kunst? Wo hört das Spiel auf; wo beginnt das reale Leben?

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