Tages-Anzeiger



Der Nase nach

Von Jan Graber. Aktualisiert am 28.12.2015

Viele interessante Kombinationen mit Wein zeichnen dieses Lokal an der oberen Goldküste aus.

Auf die Gläser, deren geschwungene Stiele einer Nase nachempfunden sind, ist Chef Edi Graf stolz.

Auf die Gläser, deren geschwungene Stiele einer Nase nachempfunden sind, ist Chef Edi Graf stolz.

An Selbstbewusstsein mangelt es Edi Graf nicht. Der Sensoriker, Weinhändler und Gastronom nennt sich unbescheiden «The Nose» und hat unter diesem Namen eine eigene Weingläserlinie entwickelt. Nicht eine beliebige Linie, sondern eine mit einem besonderen Stiel in Form einer Nase. Der Stiel sorgt dafür, dass das Glas je nach Griffweise in einem anderen Winkel zum Mund geführt wird, der Wein somit unterschiedliche Zungenbereiche benetzt und andere Geschmacksnuancen hervortreten lässt.

Die Methode funktioniert zu unserem Erstaunen tatsächlich. Doch wir sind nicht der Wein­gläser wegen ins kürzlich umgebaute Restaurant La ­Bouteille gekommen. Viel Holz und einfache Tische versprechen Genuss in heimeligem Ambiente für maximal 14 Gäste. Am Herd steht mit Andreas Piehlig ein neuer Koch, die Karte enthält Mediterranes, Schweizerisches und einen Hauch Asien.

Einen guten Einstieg bietet das Kennen­lernmenü für 85 Franken mit drei Gängen. Als Eröffnung kommen auf den Punkt ge­bratene Jakobsmuscheln auf schmackhaftem Karrottenpüree, belegt mit Seehasenrogen. Meine Begleitung löffelt eine Maronencremesuppe (10.50 Fr.) mit Schinken. Die Suppe ist ein bisschen fad, der Schinken will nicht recht passen.

Während das Dreigangmenü mit einem zarten und schmackhaften Rib-Eye-Steak und knackigem Gemüse sowie Kartoffeln fortgesetzt wird, verschlingt die Begleitung erinnerungswürdige Ravioli mit Ochsenschwanz-Füllung mit Schalottensud, Rahmwirz und Randen (38 Fr.).

Zu jedem Gericht präsentiert Graf einen anderen Wein, meist eine eigene Cuvée. Nicht alle passen gleich gut; meldet der Gast Zweifel an, wird aber sofort ein anderer Wein entkorkt. Einen Versuch wert ist der Tropfen mit dem bezeichnenden Namen Edi Graf Original, kurz EGO. Was uns zurück zu den Nasengläsern bringt: Wie der Eintrittswinkel des Weins unterschiedliche Aromen hervorbringt, ist eindrücklich – wir testen die Nuancen unablässig.

Sogar der Kaffee wird in einem der merkwürdigen Gläser serviert. Edi Graf lächelt verschmitzt, als wir auch den Espresso von anderen Seiten kennen lernen. Kurz: Grafs Selbstbewusstsein ist nicht ganz leicht zu schlucken, es beruht aber auf sensorischem Wissen, das sich nicht vom Tisch weisen lässt. La Bouteille ist durchaus einen Besuch wert. La Bouteille Bergstrasse 72, 8712 Stäfa www.labouteille.ch Di–Sa 18–24 Uhr, Reservierung empfohlen

Kommentar schreiben 






Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.


Bestätigen

1 KOMMENTARE

denise weibel

07.01.2016, 12:18

Klingt alles sehr spannend,leider machen mir diese unsäglich potthässlichen Gläser einfach nur Angst..