Tages-Anzeiger



Aus is und gar is

Von Isabel Hemmel. Aktualisiert am 07.12.2011

Nicht fertig lustig, aber fertig lustig mit Musik: Gerhard Polts Musiker-Spezis, die Biermösl Blosn, lösen sich auf. Alle vier zusammen sind ein letztes Mal in Zürich zu sehen. Eine Exil-Münchnerin berichtet.

Noch singen sie sich zusammen ein, die Biermösl Blosn und Gerhard Polt (3.v.l.).

Noch singen sie sich zusammen ein, die Biermösl Blosn und Gerhard Polt (3.v.l.).


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Gerhard Polt und die Biermösl Blosn kommen alle Jahre wieder, und wer sich nicht freut, kennt sie nicht. Polt ist vielleicht der grösste deutsche Kabarettist: ein extrem genauer Beobachter des Menschen im Allgemeinen und des Bayern im Speziellen. Er selbst gehört zu Bayern wie die Weisswurst, der Föhn und die CSU. Seinetwegen wurde ein Kind im München der 80er-Jahre regelmässig verfrüht ins Bett geschickt, weil die Eltern in Ruhe «Fast wia im richtigen Leben» sehen wollten; die Fernsehserie, in der Polt zusammen mit Gisela Schneeberger skurrile Situationen des Alltags nachspielte.

Seit der wunderbaren Folge «Warten auf Dillinger», jenem absurden Baustellenmonolog, durfte das Kind endlich mit vor dem nussbaumbraunen Kasten sitzen. Das war 1982. Sechs Jahre später kam «Man spricht deutsh» in die Kinos, Polts Abrechnung mit dem deutschen Adria-Urlauber. Das Kind, inzwischen 13 Jahre alt, sah den Kinofilm voll Begeisterung gleich zweimal hintereinander. Polt stand inzwischen auch regelmässig auf der Bühne. Mit der Biermösl Blosn: drei Brüder aus der 17-köpfigen Musikerfamilie Well, die zu dritt auf über 20 verschiedenen Instrumenten Volksmusik spielen und sie mit bitterbösen Texten würzen. Polt und die Blosn zusammen live zu erleben: die Krönung. In München war es ein Ding der Unmöglichkeit, wollte man nicht vor dem Ticketschalter der Kammerspiele übernachten; dem ehemaligen Münchner Kind war es erst in Zürich vergönnt.

Irgendwas wird fehlen

Und seitdem geht es jedes Mal hin, wenn Polt die (bayerische) Volksseele seziert. Wenn er sich missmutig hinstellt und erzählt vom «Gastronomic-Ädfentscher-Trip» zu Aboriginees und «meneatern»: «Mir ham’s zalt, mir essen’s auch.» Oder wenn er den «Responsabilist» anpreist, der seinen Kopf für alles hinhält, wofür niemand Verantwortung übernehmen will: Klimakatastrophe, Finanzkrise. Und die drei Well-Brüder besingen unterdessen die Taten der Bad Hausener Feuerwehr oder schmettern ihr «Bist aa do». Auch wenn man manche Nummern schon gehört hat, langweilig wirds nie. Weil alle ihre Texte kongenial lokalen und politischen Gegebenheiten anpassen. Das Gute: Jeder Auftritt von Polt und seinen Musiker-Spezis (bayr. für Gschpänli) ist eine Wucht. Die schlechte Nachricht: Es gibt in Zürich nur noch diese zwei. Die Biermösl Blosn löst sich auf. Polt macht zwar weiter – aber irgendwas wird fehlen.

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