Wo das Echte aus der Schweiz exotisch ist
Aktualisiert am 27.07.2009
| Adresse: | Fabrikstr. 12 8005 Zürich |
| Telefon: | 044 271 39 19 |
| Url: | http://www.restaurant-alpenrose.ch |
| Öffnungszeiten: | Di-Sa 18-24 Uhr, Mi-Fr bereits ab 11 Uhr, So 18-23 Uhr, Mo geschlossen. |
Profil
Preise
Moderat
Ambiente
Einfach/ungezwungen
Kriterien
Interessant für Touristen, Kreditkarten - Ja, Rollstuhlgängig - Nein, Weinkarte
Restaurantarten
Bar, Restaurant
Restaurant-Küche
Schweizer Küche, Schweizerische Spezialitäten
Von Paul Imhof
Das kleine Lokal an der Ecke Fabrikstrasse/Limmatstrasse sieht schon aussen aus wie eine Schmuckschatulle. Hat sich der Gast ins Innere begeben, verdichtet sich der Eindruck. Das liegt am Charme der ganzen Einrichtung, an der Wärme des Täfers, an der filigranen Glaskunst auf den Fenstern, am Gamskopf an der Wand, an Sprüchen wie «Ob Heide, Jud oder Christ! Herein, was durstig ist», an Plaketten und Affichen aus Zeiten, als Caramel von Klaus und Rössli von Villiger noch alltäglich waren.
Tine Giacobbo und Katharina Sinniger, Köchin und Gastgeberin, haben das Restaurant zum goldenen Schloss (alias zum goldenen Schuss) im Kreis 5 vor bald 15 Jahren übernommen und umgetauft. Zusammen mit René Zimmermann (Neumarkt) haben sie ihre Alpenrose geschmückt und prachtvoll hergerichtet. Sie ist eines der schönsten Restaurants der Stadt geworden und ist es immer noch. In der Alpenrose fühlt man sich sofort wohl. Das wissen nicht nur die Stammgäste, die seit Jahren Giacobbos bodenständige Küche und die Trouvaillen auf der Weinkarte schätzen, auch Touristen lassen sich in schicken Autos ins einstige Arbeiterquartier chauffieren.
Giacobbo und Sinniger haben als Erste in Zürich ein rein schweizerisches Konzept entworfen. Von einem Konzept anzunehmen, es überlebe ein Jahrzehnt und mehr, klingt ziemlich frivol und ist in einer Stadt wie Zürich, die vor jedem Zeitgeistfurz in die Knie sinkt, eine Mutprobe. Die Alpenrose hat es geschafft. Sie war am Anfang eine Exotin, als der Kreis 5 weder angesagt noch besonders gesucht war. Und eine Exotin ist sie mit ihrem «Echten aus der Schweiz» auch heute, inmitten der bunten Beizenszene, die sich in den letzten Jahren im Umfeld des Limmatplatzes gebildet hat. Auch repräsentiert das Restaurant überzeugend die Klasse der 13 Punkte im Gastroführer «Gault-Millau». Als Stil hat Schickimicki nie die Schwelle der Alpenrose überschritten, höchstens als Gast.
Die Grundregel, nach Schweizer Rezepten mit Produkten aus der Schweiz zu kochen und dazu Weine von ausgesuchten Winzern in der Schweiz anzubieten, war ein Griff in die Goldkiste. Wir bestellen also Endiviensalat «aus Katrins Gärtli Nähe Pfäffikersee» (12.50 Fr. mit Speck) und eine Zürcher Rieslingsuppe (9.50 Fr.), teilen uns als zweite Vorspeise rosa geräucherte Forellenfilets aus der Pisculture Vieux Moulin Lisle (Waadtländer Pied du Jura) an Zitronenvinaigrette und mit Bio-Tomaten (14.50 Fr.).
Unter den angebotenen Weinen wählen wir La Colombe noire Réserve (63 Fr.) aus, Pinot noir von Raymond Paccot in Féchy, der vor allem für seine eleganten Chasselas bekannt ist. Beim Hauptgang outet sich mein Begleiter als Kohlverächter: Rot- und Federkohl lässt er liegen, die drei Lammfilets und die Whyländer Schupfnudeln putzt er im Nu weg (33.50 Fr.). Kohl liegt auch auf meinem Teller, er schmeckt ausgezeichnet, wie das «Zürcher Scharmützel anno 98» (ob der gebratene Kartoffelstock tatsächlich 10 Jahre alt ist?) und das würzige, wunschgemäss saignant zubereitete Entrecôte vom schwarzen Angusrind der Familie Wennziger (38 Fr.); aber was das gebratene «Sonnenseiten-Ei» auf dem Steak verloren hat, bleibt mir ein Rätsel - sollte es vielleicht als Wärmedecke dienen?
Und dann die Desserts: Kastanienkuchen (10 Fr.; Rezept aus dem Maggiatal), Schoggischnitte (9.50 Fr.) und Hagebuttenschaum mit Hagebuttensauce (9.50 Fr.). Wir bestellen alles. Solchen Versuchungen ist kein Widerstand gewachsen.



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