«Hacktätschli» statt Wodka-Redbull
Von David Sarasin. Aktualisiert am 15.03.2011
Milchbars
Der Ausdruck Milchbar stammt aus dem Osteuropäischen Raum. In einfachen Stätten werden schlichte Menüs angeboten. Lange Zeit war der Name Programm. Milch wurde als Fleischersatz verwendet. Heute hat sich das Angebot geändert, der einfache Mittagstisch aber blieb.
| Adresse: | Manessestrasse 170 8045 Zürich |
| Telefon: | 044 201 82 45 |
| Url: | http://www.abart.ch/ |
Über den Festbänken dreht die Discokugel und das Licht strahlt mehrheitlich aus Spotlights. Und trotzdem lohnt sich ein Besuch in der Milchbar, dem neuen im Club Abart eingerichteten Mittagstisch. Und dies hat gleich mehrere Gründe.
Der erste: Das Menü kostet gerade mal 10 Franken, (Zitronenwasser und Brot inklusive). «Mich interessieren einfache Menüs für wenig Geld», sagt der Künstler Vova Sarkovska, er ist Betreiber der Milchbar, dem Mittagstisch im Abart. Das Konzept der Milchbars habe er in seiner Heimat Polen kennengelernt, wo solche seit dem 2. Weltkrieg betrieben werden (siehe Kasten).
Wenn ein Gast so wenig bezahlt, muss er mit Einbussen leben. So kann die Schlange vor der mobilen Küche - wo das Essen verteilt wird - beträchtlich sein. Und das Geschirr muss nach dem Verzehr selber abgeräumt werden. Anstelle von Wodka-Redbull liegt der Geruch von gebratenem Fleisch in der Luft.
Der Charme einer Volksküche
Und hier kommen wir zum zweiten Grund: Das Essen schmeckt. Hackfleischbouletten an Portweinjus mit Spätzli stehen am Tag des anonymen Testessens auf der Menükarte. Für Vegetarier gibt es Spätzligratin mit Gemüse. Beides kann sich sehen lassen. Die Sauce zum Fleisch ist stimmig und die Spätzli sind hausgemacht. Der Salat ist mit Croutons, Sonnenblumenkernen und einem schmackhaften Dressing angereichert. Einziger Wehrmutstropfen, dem vegetarischen Gericht fehlt die Würze.
«Zurzeit haben wir pro Tag etwa 50 Gäste, wenn es viel mehr werden, müssen wir das Konzept überdenken», sagt Sarkovska. Jeden Tag bereiten im Abart andere Köche die Speisen zu, die meisten davon Freunde des Betreibers. Dass bei einem solchen Preis-Leistungs-Verhältnis immer mehr Leute ihre Mittagspause im Abart verbringen werden, damit ist zu rechnen. Zumindest solange das Angebot stimmt und der Volksküchen-Charme bestehen bleibt.
Öffnungszeiten: Mo-Fr 11.30-13.30. Infos: www.milchbar-zh.ch




