Tages-Anzeiger



Gastro Aktuell African Queen

African King

Von Georg Gindely. Aktualisiert am 02.02.2011

An der Stampfenbachstrasse im Kreis 6 liegt Zürichs «Little Africa». Gerry Kasaija führt dort das Restaurant African Queen. Er träumt von einem Hotel in seiner Heimat Uganda.

Der freundliche Kapitän Gerry Kasaija in seinem mit Wandbehängen und Masken geschmückten Restaurant.

Der freundliche Kapitän Gerry Kasaija in seinem mit Wandbehängen und Masken geschmückten Restaurant.
Bild: Reto Oeschger

Ein Abend in «Little Africa»

Es ist nur ein Schritt in eine Bar und doch ein Schritt in einen anderen Kontinent. Sie sind schwarz, wir sind weiss. Als einzige der Gäste, sieht man von den beiden etwas angejahrten Blondinen ab, die im Begriff sind, den Schritt zurück nach Europa zu machen. Typisch, möchte man denken, und das ist es vielleicht auch. Aber so sexuell aufgeladen wie in Etablissements an der Langstrasse ist die Atmosphäre in der Bar African Queen neben dem gleichnamigen Restaurant keineswegs.

Im Gegenteil, sie ist wunderbar entspannt – es kümmert sich kein Mensch um uns beide. Ausser der Barkeeper, der uns mit einem Handschlag und einem Lächeln empfängt. Einem, das so warm und breit ist, dass man sich spontan fragt, ob seine Zürcher Berufskollegen tagsüber im Tiefkühler wohnen und auch während der Nacht nie ganz auftauen. Wir hingegen tauen rasch auf. Das liegt am Guinness zum einen, am etwas zu süssen TuskerBier aus Kenia zum anderen – und am warmen Welcome von Judy, die beschwipst neben uns steht.

Wir studieren die Bar. Das dunkle Holz, das Plastik sein könnte oder, wenn nicht, Tropenholzgegnern zu denken geben müsste. Die Fotos von Martin Luther King, Malcolm X, Bischof Tutu und Nelson Mandela, die sich zu einer Wall of Fame über dem Mischpult zusammenfinden. An diesem jagt der DJ Vibes in die Luft und in die Beine. Es groovt im African Queen, der wahrscheinlich einzigen Adresse an der Stampfenbachstrasse, die zu dieser Zeit ein wenig fröhliches Leben versprüht. Aber was heisst wahrscheinlich. Es ist so!

Anderes, etwas weniger fröhliches Leben lässt sich live auf dem Bildschirm verfolgen. «Breaking News» von CNN über die Ereignisse in Ägypten, die in der Bar für spontanen Applaus sorgen. «Mubarak addresses nation», heisst es kurze Zeit später, was wir als Gelegenheit empfinden, den Barkeeper für ein zweites Guinness zu addressen. Breites Lächeln inklusive, das diesmal von der Stellvertreterin kommt.

Cheers! Wir schütteln Hände hier, schütteln Hände dort – und beginnen von einer Reise nach Afrika zu träumen. Tunesien oder Gibraltar – so weit haben wir uns dem Kontinent bisher genähert. Nächstes Jahr vielleicht. Oder übernächstes. Doch bevor es so weit ist, treten wir raus auf die Stampfenbachstrasse, wo der Winter noch viel winterlicher wirkt als zwei Stunden zuvor.

African Queen

Adresse: Stampfenbachstrasse 70
8006 Zürich
Url: http://www.african-queen.ch
Öffnungszeiten: Mo- Fr 11-14, Di -Sa 18-23 Uhr

User-Rating


Profil

Preise

Günstig

Ambiente

Einfach/ungezwungen

Kriterien

Kreditkarten - Ja

Restaurantarten

Café, Restaurant

Restaurant-Küche

Afrikanisch

Zürichs «Little Africa» liegt fünf Minuten Fussmarsch vom Hauptbahnhof entfernt – nicht im Kreis 4, sondern an der Stampfenbachstrasse im Kreis 6. In zwei Läden kann man Kosmetika für Dunkelhäutige, Erdnussbutter, Perücken und Ubuntu Cola kaufen, Überweisungen in die Heimat tätigen oder im Internet surfen. Im benachbarten Restaurant African Queen stehen afrikanische Spezialitäten wie Springbock oder Tilapia-Fisch auf der Speisekarte, und in der gleichnamigen Bar, die an Freitag- und Samstagabenden oft überfüllt ist, treffen sich Afrikanerinnen und Afrikaner auf ein Feldschlösschen oder ein kenianisches Tusker-Bier (siehe Text unten).

Es ist Zufall, dass gerade diese Ecke der Limmatstadt afrikanisch geprägt ist. Die beiden genannten Läden gehören Brandon Diallo, der aus Guinea in Westafrika stammt. Der Pächter des Restaurants ist Gerry Kasaija aus dem ostafrikanischen Uganda. Kasaija und Diallo sind zwar Kunden voneinander, aber sonst verbindet sie etwa gleich viel oder wenig wie zwei Europäer, die aus Spanien und Litauen stammen.

Gerry Kasaija betreibt sein Restaurant African Queen seit gut zwei Jahren. Den Namen hat er dem Filmklassiker von John Huston entlehnt, in dem das gleichnamige Dampfschiff über den Tanganjika-See in Ostafrika tuckerte. Humphrey Bogart spielte im Film den griesgrämigen Kapitän.

Der Kapitän der Zürcher African Queen ist das Gegenteil davon. Ein Lächeln, ein Handschlag – so empfängt Kasaija seine Gäste, und höflich erkundigt sich der 46-Jährige immer wieder, ob alles in Ordnung sei.

In sein Restaurant kommen Afrikaner und Schweizer, die nach Afrika reisen wollen oder durch Afrika gereist sind. Es kommen Beamte, Büroangestellte, Hotelgäste und Ladenbesitzer. Mittags stehen neben den afrikanischen Spezialitäten auch Thai-Currys auf der Speisekarte, die Mitköchin kommt aus Thailand. «African Queen ist ein internationaler Ort», sagt Kasaija.

Der Rassist auf dem Nebensitz

Das Restaurant ist klein: ein Raum, acht Tische, 25 Sitzplätze. Abends gibt es ausschliesslich afrikanische Speisen wie Katogo, einen ugandischen Gemüseeintopf mit grünen Bananen. Als Beilage steht weisser Maisbrei auf der Karte. Er wird Posho genannt oder Sadza oder Fufu – je nach Region.

«In Afrika gibt es fast 2000 Sprachen», sagt Kasaija. Allein in Uganda sind es über 20, Kasaijas Muttersprache ist Rutooro. Aufgewachsen ist er im Westen des Landes, in Fort Portal. Die Stadt mit rund 40 000 Einwohnern ist umgeben von grünen Bergen und blauen Kraterseen, das Klima ist angenehm. Die Region war deshalb beliebt bei den britischen Kolonisten. Nach der Unabhängigkeit 1962 geriet Uganda dann allerdingsin den Griff von Diktatoren wie Idi Amin.

Gerry Kasaija verliess sein Land während Amins Herrschaft. Seit er als kleiner Junge ein Hotel besucht hatte, träumte er davon, eines Tages selbst eines zu eröffnen. 1975 zog der damals 12-Jährige nach England, wo er die Schule abschloss und eine Ausbildung im Hotelfach absolvierte; sein älterer Bruder, ein Geschäftsmann, finanzierte ihm das Studium.

Als Kasaija nach London flog, musste er in Athen zwischenlanden. Er setzte sich im Flughafen neben einen Weissen, der unverzüglich aufstand und sich auf einem anderen Sitzplatz niederliess. Kasaija erzählte seiner englischen Gastmutter davon, sie sagte: «Das war ein Rassist.» Kasaija war überrascht – in Uganda hatte er das nie erlebt.

Mit Rassismus war er nach seiner Ankunft in Europa selten konfrontiert, wie er sagt. Seine Gasteltern in London kümmerten sich derart rührend um ihn, dass er bis zu ihrem Tod mit ihnen in Kontakt blieb und sie «meine zweiten Eltern» nennt; sechs Jahre lebte er bei ihnen. Nach Abschluss des Studiums zog er nach Zürich, wo er im Swissôtel in Oerlikon arbeitete.

Arbeitslos nach dem Grounding

Der erste Winter in der Schweiz war hart, doch dann gewöhnte sich Kasaija allmählich an das Klima. Er lebte sich gut ein – auch dank seiner Schweizer Frau, die er am Open Air «Rock gegen Hass» in Lengnau AG kennen gelernt hatte. Heute lebt das Ehepaar mit seinen drei Kindern in Wallisellen.

Die schwierigste Zeit kam 2001 mit dem Swissair-Grounding. Kasaija, der seit 1992 bei Gate Gourmet arbeitete, verlor seine Stelle, und trotz unzähliger Bewerbungen fand er keine neue. Die einen befanden, er sei überqualifiziert, die anderen anerkannten seinen englischen Fachabschluss nicht. Schliesslich nahm er eine Teilzeitstelle im Hallenstadion an und begann, seine Selbstständigkeit zu planen. Diese begann dann mit der Übernahme des in zwei Räume aufgeteilten Lokals an der Stampfenbachstrasse. Für die Bar fand er einen Untermieter, das Restaurant baute er um. «Der Beginn war nicht ganz einfach», erinnert er sich. Das Lokal, schon vorher ein Treffpunkt für Afrikaner, hatte einen schlechten Ruf.

Kasaija versuchte, die «Troublemaker» fernzuhalten. Es gelang. Reklamationen gibt es heute keine mehr, Polizeibesuche auch nicht. Für seine Küche und die Atmosphäre erhalte er viele Komplimente, «das gibt mir Energie».

Energie, die er nutzen will. Denn seinen Kindheitstraum hat er nie aufgegeben. Ein Stück Land in Uganda ist bereits in seinem Besitz. Wenn er genug Geld gespart hat, will er mit seiner Familie zurück in die Heimat ziehen. Und sein Hotel eröffnen.

Abends gibt es Speisen wie Katogo, einen ugandischen Gemüseeintopf mit grünen Bananen.

Der freundliche Kapitän Gerry Kasaija in seinem mit Wandbehängen und Masken geschmückten Restaurant.Foto: Reto Oeschger

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11 KOMMENTARE

Sandy A

star5

Das African Queen ist wirklich ein Schlemmer-Ort! Das Personal ist sehr höflich und ich empfehle dieses Restaurant allen, die mal etwas neues ausprobieren wollen! Das Essen war sehr schmackhaft. Uns wurde zur Vorspeise ein Salat mit Poulet an Sesam angeboten und zur Hauptspeise Antilopenfleisch mit Gemüse. Wirklich unglaublich. Das darf man sich nicht entgehen lassen!


B. Cavegn

star5

In der African Queen ist der Gast noch König! Gastfreundschaft ist GROSS geschrieben, so schmeckt jeder ohnehin guter Bissen doppelt gut. Spezielle Anlässe mit Buffets und auch sein tolles Catering runden das Angebot ab. Eines meiner Lieblingsrestaurants und das nicht nur seitdem ich zufällig als 1. Gast das Restaurant betrat. Bin gerne Stammkunde bei Gerry und Team!


Elisabeth Gerber

star5

Im African Quee fühlt man sich wirklich immer als Gast: man wird freundlich und herzlich begrüsst, die Gerichte sind ein Gaumenschmaus, es stimmt wirkich alles. Weiterhin viel Erfolg!


Hedi Clalüna

star4

Wir können dieses Restaurant sehr empfehlen. Da ich Allergikerin bin hatte ich leichte Bedenken. Gerry hat sich sehr bemüht, mir bei der Auswahl des Essens behilflich zu sein und mir die Speise so zubereitet, dass ich sie voll und ganz - ohne irgendwelche Nebenwirkungen - geniessen konnte. Hervorragend!


Regula Aeppli Meier

star2

In allen Bereichen absolut empfehlenswert!


Eva Winizki

star4

Es ist ein Gaumenschmaus im African Queen zu essen. Sowohl FleischesserInnen wie ich als auch VegetarierInnen kommen auf die Rechnung. Ich kann den Springbock mit Katogo und Matooke empfehlen, auch das Schaffleisch ist delikat und wenn man schon viel im African Queen ein und ausgegangen ist, macht Gerry einem auch etwas ganz gewöhnlich internationales - auch hier mit den herrlichen Gewürzen. Es lohnt sich auch, einen guten Südafrikanischen Wein auszuprobieren und natürlich den herrlichen exotischen Fruchtsalat mit den Mangos. Zum abschliessen ein Gläschen Amarula - das Glück ist da. Zum Kaffee gibt es noch einen Elefanten. 5 Sterne


Esther Frey

star4

Das African Queen ist ein wunderbarer Ort, wo man sich zum Essen zu Hause fühlt (und als Europäer/in nicht überfordert wird). Vor allem wenn es Buffet gibt mit den sensationellen Nachspeisen (was man in Westafrika nur in der High Society kennt), kann mann herrlich schlemmen - kleinere Mägen müssen sich aber bei den Hauptspeisen zurückhalten, wenn sie danach noch vom Dessert profitieren wollen. Der einzige Grund, weshalb ich vier und nicht 5 Sterne gebe, sind die Sitzgelegenheiten, die eher für einen kurzen Mittag als für ein gemütliches Abendessen passend sind. Gerry's Gastfreundlichkeit und die seiner Mitköchin erhalten aber 7 Sterne!


Marianne Weinmann

star5

Das Essen excellent, der Kapitän und die Besatzung extrem freundlich und dann gibt es noch alle 1-2 Monate ein Dinnerbuffet "Reise durch Afrika" mit Spezialitäten aus ganz Afrika und einem musikalischen Zwischenstopp im Kongo mit Prosper NKouri. Bei Rhythmus, Tanz und Gesang können dann alle zusammen das ausgezeichnete Essen verdauen. Check the website: www.african-queen.ch


Luca Gysin

star5

Das sympathischste Restaurant in Zürich!!


Tobias Lienhard

star5

weiterhin viel Erfolg und guten Unternehmermut!


A. Redlich

star5

ein wirklich tolles restaurant, dass ebenso von seinem essen wie von seinem freundlichen wirt leben kann! unbedingt empfehlenswert!



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