Tages-Anzeiger



Gastro Aktuell Restaurant Emilio

Satt und glücklich

Aktualisiert am 16.11.2016

An manchen Lokalen scheint die Zeit vorbeizugehen – und das ist gut so.

Klassischer gehts nicht – das Emilio ist eine Institution in Zürich.

Klassischer gehts nicht – das Emilio ist eine Institution in Zürich.

Wunschbeiz

In dieser Serie testen unsere Gastrokritiker alle 14 Tage ein Lokal, das die Leser aus drei Vorschlägen mittels Onlineabstimmung aus­wählen: www.tagesanzeiger.ch/forum

Restaurant Emilio

Adresse: Zweierstrasse 9
8004 Zürich
Telefon: 044 241 83 21
Url: http://www.restaurant-emilio.ch
Öffnungszeiten: Mo-So 12-15 Uhr und 18-24 Uhr.

User-Rating


Profil

Preise

Nicht ganz billig

Ambiente

Feierlich/gehoben

Kriterien

Kreditkarten - Ja, Rollstuhlgängig - Nein

Restaurantarten

Restaurant

Restaurant-Küche

Spanisch/Portugiesisch

Warum schmeckt noch immer kein Poulet in der Stadt besser als jenes im Emilio? Liegt es an der über 75-jährigen Tradition des Hauses? Liegt es an den Kellnern in schwarzem Gilet und weissem Hemd mit Fliege, die ihren Beruf mit Charme und Stolz ausüben? Oder daran, dass das «Poulet rôti Emilio» (so steht es auf der Karte) stets in vier Gängen aufgetragen wird?

Es ist wohl ein Mix aus alldem und dem Mut zur Einfachheit in der Küche. Gewürzt wird das Geflügel im Familienbetrieb nur mit Salz, nach dem Braten im Ofen wenden es die Köche noch einmal in heisser Butter. Das Ergebnis: saftiges, zartes Fleisch und wunderbar knusprige Haut. Mit einem erfrischenden spanischen Salat zur Vorspeise sowie handgeschnitzten und ebenfalls hervorragenden Pommes frites à discrétion kostet der Spass 60.80 Franken. Kein Pappenstiel, erst recht nicht, wenn man für 11 Franken extra noch Rahmspinat ordert. Aber bereut dürfte diese Bestellung noch keiner haben.

Überaus grosszügig bemessen ist die stilecht im Pfännchen und in zwei Etappen servierte Paella valenciana (57.80 Fr./ab einer Person). Der leuchtend gelbe Reis hat sich mit allerlei köstlichen Säften vollgesaugt, und statt mit gummigen Riesencrevetten ist er noch mit echten Scampi belegt. Dazu gibts Poulet, köstliche, grobe Würstchen, Mies­muscheln und Tintenfisch.

Zum Nachtisch teilen wir uns die riesenhafte Portion Roulade espagnole in dreifacher Ausführung (19.80 Fr.) – je einmal mit Mandel-, Butter- und Zitronenfüllung. Zu süss? Zu mastig? Durchaus. Aber dieses auf herrliche Weise archaische Dessert gehört halt zum Emilio. Wie auch das flambierte Parfait mocca (12.80 Fr.).

Am Tisch neben uns sitzt der langjährige Patron Antonio Guardia, dessen Sohn Philipp das Lokal heute vorbildlich führt. Als wir gehen, hält er mit Essen für ein paar Augenblicke inne und verabschiedet uns freundlich.

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2 KOMMENTARE

Josipovic Zlatko

24.11.2016, 16:19
star5

Emilios Poulet sind gut, da spielt auch der Spinat keine Rolle plus Fr.11.-, das ganze ist natürlich sehr teuer, aber gut. Es geht darum ob man es sich leisten so eine teures Essen zu bezahlen,die Höhe des Preises hat nichts mit dem Essen zu tun, ein Poulet schmeckt eben wie ein Poulet wenn es gut gemacht ist, es kann nicht noch verbessert werden, wichtig ist das man zufrieden ist....


Max Melchlin

22.11.2016, 18:15
star5

Alles bestens - ich teile Ihre Einschätzung völlig. Ich war allerdings etwas erstaunt, auf der Speisekarte zu sehen, dass nur e i n e Beilage pro Person zum Poulet abgegeben wird. Das sieht etwas sehr nach Bevormundung aus.