Tages-Anzeiger



Gastro Aktuell Bayerischer Hof

Jetzt wirds deftig

Von Jan Graber. Aktualisiert am 07.02.2012

Kulinarisch waren die vielen deutschen Zuwanderer in Zürich lange erstaunlich schlecht vertreten. Nun setzen hiesige Restaurants vermehrt auf Wurst, Haxe, Knödel & Co. Zum Beispiel der neue Bayerische Hof.

An Guadn! Münchner Schweinshaxn mit Kartoffelknödeln und Sauerkraut im Bayerischen Hof.

An Guadn! Münchner Schweinshaxn mit Kartoffelknödeln und Sauerkraut im Bayerischen Hof.

«Zürich bietet viel»

Mit Nadja Öhrlein (D)* sprach Esther Kern (CH)

Der Schweizer denkt bei deutschen Spezialitäten schnell mal an die Currywurst. Sie auch?

Also, ich will niemandem zu nahe treten, aber ich steh da nicht so drauf. Ich finde, Deutschland hat geschmacklich doch noch mehr zu bieten.

Beispielsweise?

Matjes-Heringe finde ich eine spannende deutsche Spezialität, die etwas vielfältiger ist im Geschmack als eine Wurst mit Sauce. Als Beilage vermisse ich in der Schweiz Klösse, also Kartoffelknödel – die würden statt Spätzli perfekt zu Wildgerichten passen.

Bei welchen kulinarischen Erinnerungen werden Sie wehmütig?

Typisch für meine Heimat Nordbayern sind Würste mit Sauerkraut. Eigentlich würds mir aber reichen, sie ein-, zweimal pro Jahr zu Hause zu essen, denn dort gehört das Gericht hin. Dass es jetzt in Zürich auch noch Restaurants wie das Orsons oder den Bayerischen Hof gibt, die spezifisch deutsche Küche anbieten, ist toll – wäre aber für mich kein Muss gewesen.

Nutzen Sie denn solche Restaurants?

Ja. Nicht oft, aber es kommt schon vor, dass mich die Lust packt auf deutsches Essen. Ich besuche zudem regelmässig einen Bayern-Stammtisch, der meist in diesen Restaurants stattfindet.

Was könnten die Zürcher Gastronomen denn besser machen?

Ich hätte mehr Cafés am Wasser erwartet und würde mir ein paar Weinbars – mit deutschem Riesling – mehr wünschen. Aber Zürich bietet gastronomisch sehr viel: Die Qualität des Essens ist generell auf einem höheren Niveau als in Deutschland, wo viel öfter Convenience-Essen aufgetischt wird. Der Deutsche hat halt schon mehr die Mentalität, dass er für möglichst wenig Geld möglichst viel bekommen will. Dass das hierzulande anders ist, find ich persönlich gut – auch wenns mehr kostet.

Haben Sie auch kulinarische Entdeckungen gemacht in Zürich?

Ich mag zwei ganz einfache Dinge besonders: die feinen Bürli, also dieses sehr saftige Brot, und die leckeren, frisch zubereiteten Birchermüesli, die es hier überall gibt. Als Innereien-Fan bin ich in Zürich zudem mit Leberli ausgesprochen gut bedient.

* Nadja Öhrlein (39) aus Würzburg lebt seit drei Jahren in Zürich und ist Leiterin des Informationsbüros Deutsche Weine. In dieser Funktion organisiert die Bayerin die grösste deutsche Weinmesse in der Schweiz, die am Montag im Kongresshaus stattfindet. Infos: www.deutscheweine.de/ch

Bayerischer Hof

Adresse: Herdernstrasse 65
8004 Zürich
Telefon: 044 401 42 20
Url: http://www.bayerischerhof.ch
Öffnungszeiten: Mo-Fr 11.30-24, Sa 17-24 Uhr. So 10.30-22, Sonntagsbrunch bis 14.30 Uhr.

User-Rating


Profil

Preise

Moderat

Ambiente

Einfach/ungezwungen

Kriterien

Garten/Terrasse, Kreditkarten - Ja

Restaurantarten

Restaurant

Auf die Schunkelmusik, die aus den Boxen plärrt, könnten wir verzichten. Ebenfalls wohlfühlen würden wir uns ohne die übertriebene Betonung des Bayerischen mit blau-weiss gestreiften Säulen, blau-weiss karierten Wandelementen und den trachtenähnlichen Uniformen. Nicht missen möchten wir hingegen bei unserem Besuch diejenigen, die in den folkloristischen Kleidern stecken, und die Genüsse, die auf der Karte stehen. Dazu später aber mehr.

Mitte November hat die Kramer Gastronomie am ehemaligen Standort des Zic Zac Letzi den Bayerischen Hof eröffnet. Mit dem Lokal ist nach dem Orsons im Kreis 7 die zweite Beiz in der Stadt mit explizit deutscher Küche im Angebot aufgegangen. Diverse Schnellimbisse zielen zudem mit ihren Varianten der Currywurst auf deutsches Publikum. Und viele der neuen Kleinstcafés in der Stadt dürften auch auf den Einfluss unserer nördlichen Nachbarn zurückzuführen sein. Dass zunehmend Lokale mit deutschem Angebot eröffnet werden, erstaunt nicht. Rund 30 000 ansässige Deutsche sind beim statistischem Amt der Stadt Zürich derzeit erfasst. Die Deutschen bilden damit die grösste Gruppe ausländischer Ansässiger. Dass sie nun auch kulinarisch an Einfluss gewinnen, ist nur logisch.

Keine Oktoberfeststimmung

«Die Deutschen sind für uns eine wichtige Zielgruppe», bestätigt Alexia Hungerbühler, Marketingleiterin bei der Kramer Gastronomie. Aber nicht nur: Man habe sich bei Zic-Zac-Gästen und Firmen aus dem Quartier umgehört und festgestellt, dass die deutsche Küche auf Zuspruch stosse. Böse Zungen könnten natürlich behaupten, am Stadion Letzigrund sei Halligalli lediglich durch bierselige Folklore ersetzt worden. Dem widerspricht Alexia Hungerbühler sofort: «Wir wollen bewusst keine Oktoberfest-Stimmung im Lokal.»

Tatsächlich hat das Restaurant mit den hohen Räumen mehr zu bieten als nur eine kitschig-barocke Einrichtung und Schunkelschmus aus den Boxen. Zum Beispiel das Personal – alles Deutsche, einige aus Bayern selbst. Sie kümmern sich mit grosser Herzlichkeit um die Gäste. Auf der Karte stehen Speisen, wie sie im süddeutschen Raum geliebt werden: zum Beispiel ein süsssaurer Ochsenmaulsalat mit roten Zwiebeln (19 Fr.), der auch in der Erinnerung das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Die probierte Münchner Kartoffelsuppe mit Sauerrahm, Majoran und geröstetem Speck (Fr. 8.50) überzeugt ebenfalls.

Würste aus Bayern

Dass die Vorspeisen mindestens so schnell auf dem Tisch landen, wie ein geübter Oktoberfestler ein halbes Mass Bier leert, zeigt allerdings, dass die Speisen vorgefertigt auf die Gäste gewartet haben. Der Münchner Schweinebraten mit Kartoffelknödel und Speckkraut-Salat (25 Fr.) wird mit dunkler Biersauce angepriesen, und die Kalbshaxe vom Grill mit Semmelknödel und grünem Salat (37 Fr.) soll ebenfalls in eigener Sauce kommen – letztlich aber tunken beide notabene zarten und sehr gut gekochten Stücke Fleisch in der gleichen braunen Sauce. Eine Spezialität sind zudem die Würste der Metzgerei Walch aus Kreuth, die über die Grenzen Bayerns hinaus berühmt sein sollen.

Zur Versüssung probieren wir Quarkknödel mit Vanillesauce (Fr. 9.50), ein Hochgenuss – auch wenn die Begleitung die Menge an geschmolzener, mit Pistazien versetzter Butter moniert. Ein bodenständiger Bayer würde indessen die Authentizität loben, eines der hausgebrauten Steinfels-Biere bestellen und selig zu den Schlager- und Marschmusikklängen schunkeln. Oder auch nicht: Die Musik sei mittlerweile nämlich ausgewechselt worden, sagt Hungerbühler.

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15 KOMMENTARE

walter k

30.09.2012, 18:03
star1

Wir waren heute zum Brunchen da und total enttäuscht. Das Buffet ist sehr klein, hat kaum Auswahl, Warmes wird ohne Warmhaltpaltten hingestellt und ist somit im Nu kalt.Die Bedienung bringt kein Lächeln hin und muss mehrmals dasselbe ein zweites mal bestellt werden, weil nach dem ersten mal mindestens 10 Minuten lang nichts kam.Das Rührei schmeckte wie mit Eimehl gemacht, die Brötchen wie Frischbackwaren und die Knödel waren wohl von Pfanni. Als Bayer schäme ich mich, dass solches (vorgefertigtes) Essen als bayrische Spezialitäten verkauft wird. Und das dann noch zu derart gesalzenen Preisen, für welche man eigentlich wirklich wesentlich besseres erwarten dürfte. Wir gehen da auf keinen Fall mehr nochmals hin!


Theo M

09.09.2012, 00:05
star3

Wir waren an einem wunderschönen warmen Spätsommerabend, an einem Samstag wohlverstanden, hier, und ausser uns waren den ganzen Abend vier Gäste da. Kein Wunder, bei den Preisen! Da wird's sogar einem Schweizer, der alles gewohnt ist, schlecht, verschwiegen denn unseren deutschen Freunden. Ein halber Liter Weissbier CHF 9.--, ein Jägermeister 8.50, 2 Weisswürste 14.--, 1/2 Schweinshaxe (gibt's in Bayern halbe Haxen?) mit Knödeln 28.50 etc. Schönes Lokal, schöner Garten, viele Parkplätze gleich daneben, nettes Personal, eigentlich stimmt alles. Aber die Preise sind absolutes Raubrittertum. Nie wieder, und so wird es dieses Lokal wohl auch nicht mehr lange geben. Recht so, selbst schuld. Schade!


Iris H.

14.05.2012, 15:28
star3

Lieber Herr Thomet Es verwundert mich sehr, dass sie die Kompetenz von Frau Öhrlein an Ihrer Aussage bezüglich Matjes messen?! Darf ich Ihnen empfehlen über den Tellerrand hinauszusehen und sich z.B. über die Spezialitäten des Bundeslandes Schleswig-Holstein zu informieren? Jeder Norddeutsche wird Ihnen Matjes als (auch) deutsche Sepzialität nennen. Vielleicht haben Sie in dem Fall falsch "geortet" bzw. nur ein Land einbezogen und nicht eine weitere Küste, welche Deutschland nunmal wie die Niederlanden hat... Ps: in Bayern kommt Schweinshaxe und -braten auch schnell auf den Tisch ohne, dass es Convenience ist. Ein guter Schweinbraten braucht nunmal zwei Stunden im Ofen und wird in jedem guten Wirtshaus vormittags in die Röhre geschoben!!


Jan Hildebrandt

26.01.2012, 09:25
star2

Kann mich einigen meiner Vorredner nur anschliessen; schöne Einrichtung, und auch der Service war OK - aber die Preise sind teils unverschämt (wenn ich mich richtig erinnere: ein kleiner Eistee für 5.30?), und das Schlimmste: das Essen war schlicht nicht gut. Semmelknödel vollkommen geschmacksneutral, Würstchen trocken und kaum würzig, der Sauerbraten war auch nicht toll... und warum wird eigentlich nur das dünne und geschmacksarme "Steinfels"-Bier, aber keine deutsche Biersorte serviert? Wäre es so schwer, ein Paulaner oder irgendeine andere gängige Marke, zur Not aus der Flasche, anzubieten? Gerade dort würde man das doch erwarten... schade. Ich gehe nicht mehr hin.


Heinrich Thomet

24.01.2012, 15:49
star2

Nach dem Interview mit Nadja Öhrlein zweifle ich doch ein wenig an ihrer Kompetenz. Seit wann sind Matjes Heringe eine deutsche Spezialität? Ich habe die bisher nach Holland verortet....


Karin M.

24.01.2012, 14:33
star1

Inspiriert vom Artikel, haben wir uns am Sonntag auf den Weg zum Bayrischen Hof gemacht. Der Sonntagsbrunch ist leider nicht zu empfehlen, auch wenn das Ambiente passt. Eine enttäuschend kleine Auswahl, kaum warmes Essen, auf welches man auch noch recht lange warten muss, und wenn es denn kommt ist es schon wieder am Brunchbuffet vergriffen, da nur kleine Portionen serviert werden. Die Weisswürste schmeckten zudem etwas wässrig, da haben wir hier in heimischen Brauhäusern und Beizen bessere gegessen. Falls wir nochmal hingehen, dann würden wir eher à la carte bestellen. Sind nun aber nicht mehr sehr motiviert, schade.


Franco Medici

20.01.2012, 13:46
star1

"...zeigt allerdings, dass die Speisen vorgefertigt auf die Gäste gewartet haben." Dies ist der entscheidende Nebensatz in diesem Artikel. War 2x dort und weiss nun definitv, dass man wegem dem Essen da nicht hinzugehen braucht... Schade, denn das Lokal ist "authentisch" eingerichtet, aber das Essen just convenience food... typisch Kramer....


Carly Pfitzner

20.01.2012, 00:17
star2

Sorry, aber als langjährige Deutschland Aufenthalterin kann ich der 'deutschen Küche' beim bestem Willen nichts Positives abgewinnen! Knödel, Sauerkraut mit Würsten, Currywürste etc. etc., eine Einöde kulinarischer Genüssen und differenzierbarer Gerichte---glücklicherweise gibt's da immer wieder den Ausweg zum Italiener! Selbst bei den deutschen Beizen in Japan, Australien, USA etc. handelt es sich mehr um Bier selige Heimweh-Oasen, denn um 'kulinarische Tempel'! In den vielen bekannten Beliebtheits-Ranglisten erscheint die 'deutsche Küche' nicht einmal... Wie gesagt, alles nur Gewohnheits- und Heimweh-Gründe, die der 'deutschen Küche' eine Existenz geben ;-) In extremis > Schmackhaft für Einheimische heisst nicht unbedingt geniessbar für andere > Beispiel: Die Surströmming i


Daniel Zollinger

19.01.2012, 20:03
star5

@Zürcher: Haben Sie schon mal im Hofbräuhaus gegessen? Ich schon ein paar mal und die Küche ist dort nicht zu verachten und im übrigen ziemlich ähnlich wie hier nur die Preise sind halt differenzierter!


Thomas M.

19.01.2012, 16:31
star4

@Thomas Meissner: Ja, Löhne wie in der Schweiz, aber Preise wie in Deutschland, das wär's. Du kannst ja mal hier posten, was die Leute im Landgasthof Erras verdienen und was die Grundstückpreise dort sind. Aber ich bin überzeugt, dass es dort sehr gut schmeckt (ohne Ironie).


Fredy Berger

19.01.2012, 16:17
star1

Ich vermisse das gute alte Zic-Zac, wie es viele von uns aus den 90er Jahren in Erinnerung haben: geiler Rocksound und stimmungvolles Party-Volk. Hey Leute, wo seid ihr geblieben... ?!?


Dirk Göhmann

19.01.2012, 13:44
star1

Bitte bitte bitte, nicht immer Deutschland mit Bayern gleichsetzen! Für den Grossteil der in Zürich lebenden Deutschen sind Seppelhosen und Humpamusik fast so gewöhnungsbedürftig wie Baströckchen und chinesischen Opern!


Thomas Meissner

19.01.2012, 11:45
star2

Die Karte ist wirklich sehr schön gemacht und es sind auch viele bayerische Gerichte auf der Karte. Aber die Preise!! Seht Euch mal eine bayerische Speisekarte an! Das sind Preise wie sie der Bayer kennt!!! http://www.landgasthof-erras.de Lieben Gruss tm


Marcel Zürcher

19.01.2012, 10:58
star4

Herr Zollinger, Hofbräuhaus? Da würd ich mal behaupten, dass dies das schlechteste Beispiel für Münchner Gastronomie ist. Und was Nadja Öhrlein ganz richtig erwähnt hat, dass das zum Teil doch recht billige Essen in Deutschland of nicht von guter Qualität ist. Der geneigte Schweizer lässt sich jedoch sehr oft durch den Preis blenden. Natürlich kann man in Deutschland auch ganz vorzüglich essen, und frisch. Aber ganz so billig ist's dann auch nicht mehr.


Daniel Zollinger

19.01.2012, 09:28
star5

Super, Zürich goes München! Siehe Hofbräuhaus!



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