Tages-Anzeiger



Gastro Aktuell Rigiblick Bistro

Essen für die Seele

Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 13.01.2017

Noch ist nicht alles perfekt im Rigiblick-Bistro hoch über Zürich. Gefallen hat es uns trotzdem sehr.

Diese Ravioli sollten Sie probieren – unbedingt!

Rigiblick Bistro

Adresse: Germaniastrasse 99
8044 Zürich
Telefon: 043 255 15 70
Url: http://www.restaurantrigiblick.ch
Öffnungszeiten: Bistro Mo–So 6.30–24 Uhr, Gourmetteil Di–Sa 18–24 Uhr

Profil

Ambiente

Feierlich/gehoben

Restaurantarten

Restaurant

Restaurant-Küche

Frische Marktküche

Sind Vreni Gigers Schmorbratenravioli (32 Fr.) die besten, die wir in der Stadt gegessen haben? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall aber lassen uns die zarten, von Hand gefalteten Teigtäschlein dahinschmelzen. Erst recht im Verbund mit Röstzwiebeln, Butter und Salbei. Kaum ein anderes Gericht steht so beispielhaft für die Qualitäten der neuen Chefin im Rigiblick, die mit der Referenz von 17 «Gault Millau»-Punkten aus St. Gallen hierherkam. Giger pflegt eine geerdete, handwerklich exzellente Küche, im preislich sehr moderaten Bistro ebenso wie einen Stock drüber im Gourmetlokal.

«Die Gerichte im Bistro sind natürlich einfacher, es gelten aber die gleichen Qualitäts­ansprüche», sagt die Köchin des Jahres 2003, die hier eine Doppelfunktion als kulinarische Takt- und Gastgeberin ausfüllt. Was Giger meint, zeigt sich auch beim Kalbszungensalat an Gemüsevinaigrette (19 Fr.), den eine feine Säure auszeich­net, und der schaumigen Pilzsuppe (14 Fr.). Dazu gibts herausragend gutes Brot von Werner Kast aus Reute im Appenzellerland, einem langjährigen Lieferanten der Chefin. Man merkt: Hier spielen auch Details eine wichtige Rolle.

Schlicht perfekt ist die konfierte Zürcher Forelle mit Dill (34 Fr.), deren wachsig weiches, saftiges und doch filigranes Fleisch jeden teuren Fisch aus dem Meer locker in den Schatten stellt. Die Beilagen: Spinat und Linsen, Letztere etwas gar bissfest. Wir halten es mit dem grossen Marcus G. Lindner, der ab Frühling 2017 im Sonnenberg kochen wird, und sagen: Linsen müssen weich sein, sonst schmecken sie nicht recht.

Landesweit berühmte Wähen

Grösste Freude bereiten uns die butterzarten Kalbsnierli (29 Fr.), die mit einem gehaltvollen Jus auf den Tisch kommen. Der zur Innerei servierte Rotweinrisotto ist zwar durchaus manierlich, fällt aber ein wenig ab, da es ihm an der berühmten Schlotzigkeit fehlt. Trotzdem sind diese zwei Hauptgänge insgesamt auf dem hohen Niveau der Vorspeisen.

Von den Desserts an diesem Tag können wir leider nicht schwärmen: Die Panna cotta hatte zu viel Gelatine abbekommen, die Tarte Tatin mit guter Vanilleglace entpuppt sich als viel zu schüchtern caramelisiertes Apfelküchlein mit zu kurz gebackenem Blätterteig. Dabei ist Vreni Giger, die während unseres Besuchs nicht in der Küche steht, sondern an der Front arbeitet, eine so ausgezeichnete Bäckerin. Ihre Wähen sind im ganzen Land berühmt – nicht umsonst, wie wir bei anderer Gelegenheit feststellen konnten.

Für das Gourmetlokal im ersten Stock hat Giger in der Person von Ronny Zipfel einen routinierten Küchenchef gefunden, dem sie voll und ganz vertraut. Die Menüs (ab 125 Fr./vier Gänge) entwickeln die beiden gemeinsam.

Vorspeisen 14–25 Franken, Hauptspeisen 29–45 Franken

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