Destillierter Erfolg
Von Nuria Furrer. Aktualisiert am 15.02.2012
Gin und Tonic: Die Fakten
Wer hats erfunden?
Nicht die Briten, sondern die Niederländer gelten als Erfinder des Gin. Genever, wie mit Wacholder aromatisierter Schnaps in den Niederlanden heisst, ist abgeleitet von Juniperus, dem lateinischen Namen für Wacholder. Die Engländer machten daraus Gin.
Wie kamen die Engländer zum Gin?
Britische Soldaten, die die Niederlande im Krieg gegen die Spanier unterstützten, brachten im 17. Jahrhundert den Gin auf die Insel. Lange galt er als Fusel, mit dem sich vor allem Arme betranken. Mit mehreren sogenannten Gin-Acts regulierte die Regierung im 18. Jahrhundert Produktion und Verkauf – der Gin fand Eingang in die Oberschicht.
Und was hat es mit dem Tonic auf sich?
Als Bitterstoff im Tonic Water wird Chinin eingesetzt. Weil dieses gegen Malaria wirkt, arrivierte Tonic Water zum ständigen Begleiter der Briten in Kolonialländern. Der Chinin-Gehalt war damals höher als heute und das Getränk entsprechend bitterer; deshalb begannen offenbar die Briten in Indien, Tonic Water mit Gin zu mischen.
Welche Drinks werden mit Gin zubereitet?
Nebst Gin Tonic kennt man den Gin vor allem als Hauptzutat im Martini. Gin wird dafür mit Wermut verrührt – oder in der Variante von James Bond geschüttelt («Shaken, not stirred»). Gin hats aber auch in anderen Klassikern wie Long Island Ice Tea und in vielen neueren Drink-Kreationen.
Was kostet eine Flasche Gin?
Von ganz wenig bis ganz viel. Eine Flasche Gordons kostet um die 20 Franken, eine Flasche Hendricks um die 40 Franken. Bei Globus noch bis Ende Februar erhältlich ist ein Jubiläums-Gin von Bombay Sapphire für 1799 Franken: mundgeblasene Flasche, darauf ein Verschluss mit echtem Saphir. Etwas günstiger, aber gemäss Widder-Bar-Chef Blattner der beste Gin, ist der Monkey47, der im Globus 95 Franken kostet.(eke)
Bestellte man früher einen Gin Tonic, erhielt man einen Gin Tonic. Heute fragt der Barkeeper nach der Ginsorte, mit welcher Garnitur man den Drink möchte und am besten noch mit welchem Tonic. Und wer einen Gin, der mit Limetten aromatisiert ist, mit Gurkengarnitur bestellt, wird schon mal mit einem abschätzigen Blick taxiert. Sollte man aufgeben? Auf keinen Fall. Denn ausprobieren lohnt sich.
Ein Marketingstreich
Die Szenebar Dante im Kreis 4 hat sich auf Gin spezialisiert und damit einen guten Riecher bewiesen. Denn kein Drink ist momentan so hip wie der Gin Tonic mit Gurke und Pfeffer, und der ist im Dante Standard. Der Geschäftsführer Alvaro Marangoni hält diesen Drink für einen der besten Marketingstreiche in der Geschichte des Gins. Gespielt hat ihn die schottische Destillerie William Grant & Sons mit ihrem Brand Hendrick’s. Weil dieser Gin neben herkömmlichen Zutaten wie Wacholder, Koriander und Zitronenschale auch mit Gurke aromatisiert ist, empfehlen die Hendrick’s-Hersteller, ihren Gin Tonic mit ein paar Gurkenscheiben zu garnieren.
Marangoni hält sich an diese Vorschrift. Nur nimmt er Gurkenzesten – also Schalenstücke – statt Scheiben, füllt das Glas mit Fentimans Tonic auf und streut, wie es viele tun, noch ein bisschen schwarzen Pfeffer darüber. Der Barchef ist überzeugt, dass nebst dem erfrischenden Geschmack vor allem der Look diesem Drink zu seinem Erfolg verholfen hat: «Wenn bei mir ein Gast einen Hendrick’s bestellt, kann ich sicher sein, dass zwei Minuten später jemand darauf zeigt und sagt, er wolle auch so einen Gurkendrink.» William Grant & Sons hat mit ihrem Gurkenstreich dazu beigetragen, dass Gin den Wodka als beliebteste Spirituose in den angesagten Zürcher Bars und Clubs abgelöst hat.
«Ein Gin Tonic ist nur so gut wie sein Eis»
Das Dante bietet 30 Ginsorten an. Die Widder-Bar hat ihr Ginsortiment in den letzten Jahren auf 25 aufgestockt. «Vergessen wir mal das Gurkenzeug, diese Variante ist mir verleidet», sagt Markus Blattner, Chef der Widder-Bar, und empfiehlt stattdessen einen Monkey 47 mit einem Schweppes Tonic (Verhältnis 1 zu 1) und viel Eis. «Ich finde es schade, einen Gin Tonic mit Früchten und Gemüsen zu garnieren, da diese Zutaten den Geschmack des Gins überdecken», meint Blattner. Trotzdem bietet er Variationen mit Grapefruitzesten oder sogar Rosmarin an, je nachdem, welche Geschmacksnoten der bestellte Gin enthält. Kann man sich blamieren, wenn man den falschen Gin mit der falschen Garnitur bestellt? «Ich würde nie den Wunsch eines Gastes infrage stellen, sonst wäre ich kein guter Bartender», beantwortet Blattner die Frage diplomatisch. Einziges Muss bei ihm: das Eis. «Ein Gin Tonic ist nur so gut wie sein Eis», so Blattner. Und gutes Eis bedeutet: Es muss frisch und in möglichst grosse Würfel portioniert sein.
Wie findet man aber heraus, welchen Gin man beim nächsten Barbesuch bestellen soll? Blattner rät zu einem Gin Tasting, bei dem man ein paar Sorten pur probiert. Denn das Interessante am Gin sei sein starker Eigengeschmack, und der variiert von Sorte zu Sorte enorm. So enthält der von Blattner empfohlene Monkey 47 siebenundvierzig handverlesene pflanzliche Zutaten, sogenannte Botanicals. Zudem sind viele Gins, die derzeit angeboten werden, speziell aromatisiert; nebst dem Hendrick’s mit Gurkengeschmack gibt es Sorten mit Zitronen-, Safran-, Grapefruit- oder sogar Grünteearoma.
Gin als Edelgetränk
Beim Gin geht es um Kräuter, Pflanzen, Früchte und Gemüse. Konsumenten realisieren langsam, dass es nicht nur die Gurkenvariante oder den Gordon’s gibt. Der Chef der Dante-Bar Alvaro Marangoni erzählt von Gästen, die sich einmal durchs ganze Sortiment trinken, um ihre persönlichen Favoriten für den perfekten Gin Tonic herauszufinden. «Gin wird mittlerweile auch in Cocktails, mit wenig Tonic oder sogar pur getrunken. Er ist zu einem Edelgetränk geworden», sagt Marangoni.
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29 KOMMENTARE
Ihr sucht eine gute Gin-Auswahl in der Schweiz? Bei www.casadeltequila.ch gibt es knapp 100 verschiedene Gin im Angebot.
Anstatt nur tonic, habe Absinthum eTonic entdecken, es schmectk toll mit Gin. Hier: www.absintum.ch :-)
Im Globus kostet der Monkey 47 Distiller's Cut 95.- Der "normale" Monkey 47 Gin, welcher im Text erwähnt ist, verkaufen wir für 59.90. Und da kann ich mich Herr Blattner nur anschliessen- er ist der beste Gin.
was soll der schwachsinn..? nach dem mir die hippsters die freude am rennvelo genommen haben, folgt nun also der g&t... :-/ mit dem rennvelo in eine bar fahren und dort einen schönen bombay sapphire mit schweppes tonic zu trinken, war (und ist...) eine tolle sache...im heutigen kontext werde ich aber dadurch (ungewollt...) zum hippster...naja, ich ignoriere nun diesen umstand einfach mal, im wissen darum, dass sich der kontext schnell ändern wird und meine - nun hippe - gewohnheit schon bald wieder total out sein wird...
Übrigens zu den alternden englischen Ladies noch, um die Allgemeinbildung zu bereichern, ist mit "mother's ruin" der Gin gemeint, daher auch der Name der Rockband.
sehr gut kombiniert Gin mit frisch gepressten Zitrussäften: Zitronensaft, Orangensaft, Grapefruitsaft und Mischungen davon. Bittersüsssauer.
...und nächste Woche kommt dan einer auf die Idee, das man den Whyski Cola mit Erdbeeren garnieren muss weil das jetzt "Hipp und Trendy" ist. Einfach Schwachsinnig das ganze!
@ Corinne Alder: GLOBUS ist da glaube ich ein guter Ausgangspunkt. Da findet man neben gängigen Dingen ja oft auch eher seltene Exemplare. Im online-shop habe ich 9 Gins gezählt, im Geschäft findet man ev. mehr.
@ Corinne Alder: GLOBUS ist da glaube ich ein guter Ausgangspunkt. Da findet man neben gängigen Dingen ja oft auch eher seltene Exemplare. Im online-shop habe ich 9 Gins gezählt, im Geschäft findet man ev. mehr.
Ich habe nichts gegen Gin and Tonic, selbst wenn ich dabei immer an alte Englische Ladies denke, aber ist doch toll wieviele selbsternannte "Experten" es hier dann wieder gibt. Lustig indemfall, weil all die "hippen Experten" jetzt aussehen wie alte alte Englische Ladies mit Gurken in ihren Gläsern. :) Ich möcht gar keinen neuen Trend haben...
Als eingefleischte Shane McGowan (Pogues-Fans) hatten wir die Ginflasche (damals durfte man sowas noch ans Konzert nehmen) immer dabei. Nichts da von G&T-Cupli-Gucci Club. Gin pur aus dem Plastikbecher in einer verrauchten Kneipe, oder in strömendem Irish-Cat-Blues-Rain fucking outdoors. Auf Shane und seine Gin-Zirrhose. I Heard a siren from the docks Saw a train set the night on fire I Smelled the spring on the smoky wind Dirty old town Dirty old town I'm gonna make me a big sharp axe Shining steel tempered in the fire I'll chop you down like an old dead tree Dirty old town Dirty old town I met my love by the gas works wall Dreamed a dream by the old canal I kissed my girl by the factory wall Dirty old town Dirty old town
Nachden den Single Malts nun die Gins - der Stadtzürcher-Szeni (meist eh irgendwo aus der Agglo oder Oberland zugezogen) rennt schon jedem Trend hinterher und macht siche wichtig durch ffachsimpeln respektive extrem klugscheissen. Was wird es in zwei bis drei Jahren sein? Brandy? Vermout? Tequilla? Calvados? Pastis? Man darf gespannt sein!!!
Das Getränk heisst Gin and Tonic, nicht Gin Tonic. Man darf ihm auch G&T sagen, wenn man mit ihm Duzis ist.
Mich würde vor allem interessieren, wo man in der Schweiz all die guten Gins erhält? Erschien mir bis jetzt nicht so einfach, im Gegensatz zu Nordspanien, wo man in jedem Supermarkt ganze Gestellreihen voll mit diversen Gins findet.
Nicht nur die Holländer und Engländer sind auf den Gin gekommen: Mein persönlicher Favorit ist der lettische LB Gin aus dem Hause Latvijas Balzams in Riga. Den gibt es seit ein paar Jahren endlich auch in ausgesuchten Zürcher Bars & Restaurants im Sortiment.
Mein Favorit Gin Tonic ist ebenfalls der Hendrick's Tonic mit Gurke und (bitte) frisch gemahlenem Pfeffer. Ich ziehe dem prickeligen Tonic jedoch meist einen edlen Bombay Dry Martini mit Twist vor; Oliven gibt's dann auch gerne separat dazu. - Schön, dass der Gin sich in ZH etabliert. Ein edler Genuss, der zu unserer Stadt passt.
Wir danken herzlich für den Beitrag. Hier einige der angebotenen Gin's im DANTE: Hendrick’s 40% Tanqueray London Dry Gin 47% Bombay White Label Dry Gin 43% Plymouth English Gin 41% TBT Sloeberry Gin 28% Hayman’s Old Tom 40% London Blue Gin No.1 47% Broker’s London Dry 47% Saffron 40% Blackwoods Vintage Dry Gin 60% Van Gogh 47% The Duke Munich Dry Gin 43% Both’s Old Tom 38% Cadenheads Old Raj Red 46% Junipero 49% G Vine French Gin 40% Cadenheads Old Raj Blue 55% Fifty Pounds 44% London Dry Gin No.3 46% Tanqueray Rangpur 41% Tanqueray No. 10 47% Monkey 47 47% Citadelle Reserve Gin 44% Und gestern direkt aus Schottland angekommen: http://www.caorunngin.com/ serviert mit einem Schnitz rotem Apfel! Bis bald im DANTE CinCin!
Am liebsten ist mir Gin immer noch als "Dry Martini" mit 2 Oliven (1/3 grüner Martini dry, 2/3 guter Gin). Mein absoluter Favorit!
Wie um Himmels Willen kommt der Chef der Widder Bar dazu, ein ordinäres Schweppes Tonic zu empfehlen. Diese eher nach Seife riechende "Flüssigkeit" ist mehr als nur grenzwertig.
Wie um Himmels Willen kommt der Chef der Widder Bar dazu, ein ordinäres Schweppes Tonic zu empfehlen. Diese eher nach Seife riechende "Flüssigkeit" ist mehr als nur grenzwertig.
warum wird in der schweiz immer von" gin tonic* gesprochen, der drink heisst gin and tonic gruss aus england von einem heimwehschweizer
The Duke - Munich Dry Gin ist auch eine hervorragende Variante unter den "modernen" Gins. Eher klassisch mit schöner Wacholdernote. Frisch und Kräftig, echte Handarbeit und die Geschichte stimmt - zwei Studienfreunde im Münchner Hinterhof. Mein Favorit! Sipsmith auch ein herrlicher Gin aus England, ebenfalls neu und stark auf dem Weg nach vorne. Schade, dass man vom "Adler" aus Berin immer weniger hört...
Hallo, ich bin ein grosser gin liebhaber ob mit oder ohne tonic gurke pfeffer eis oder was auch immer. mir ist auch schon seid langem aufgefallen, dass das getränk für viele leute zum ritual im ausgang gehört. persönlich find ich es toll wenn die leute mehr acht darauf geben was sie bestellen und nicht diesen billigen fussel trinken wie baccardi-cola oder vodka lemon. aber dazu gehört auch die richtige bar und ich find es schade, dass hier nicht die kronenhalle bar erwähnt wird. sie gehört nicht zu jenen trittbrettfahrer oder besitzt die grösste auswahl an whiskeys in die der schweiz. sondern sie ist authentisch, bietet einen guten service und ist in sachen angebot und kreativität den meisten bars um weite längen voraus.
Qualitativ hochstehender Gin hat nie und nimmer minderwertiges Schweppes Tonic verdient. Nicht einmal Fentimans. Das einzig wahre ist hier das Fever Tree Tonic Water aus London! Bester Gin = Blackwoods Vintage!
Monkey 47 aus dem Schwarzwald (Deutschland) kann ich nur empfehlen. Habe mir letztens gleich 3 Flaschen gekauft! Teurer als der Bombay, aber sehr viel besser.
Sehr zu empfehlen: Moneky 47 Distiller's Cut (ein wenig stärker, auch im Geschmack, als der 'normale' Monkey 47), Sipsmith London Dry Gin, Lebensstern (für Leute die's gern ein wenig fruchtiger mögen), und als besondere Spezialität: Hayman's Gin Liqueur, der sich hervorragend in Vodka/Gin Martinis macht. Übrigens: Die besten Gin und Tonic Eiswürfel macht man natürlich aus Gin und Tonic, da verwässert der Drink nie.
Sehr spannend. Endlich ist die Aperol-Phase überwunden! Über den Schwarzwald-Gin haben wir bereits im Januar ausführlich berichtet in unserem Onlinemagazin Bar-Storys.ch. Einfach auf die Gin-Flasche mit dem Affen klicken. Oder direkt: http://bar-storys.ch/black-forest-distillers-prasentieren-monkey-47/



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