Tages-Anzeiger



«Zürcher Klima ist ideal für Topwein»

Interview: Esther Kern. Aktualisiert am 25.04.2012

Über 70 Winzer im Kanton öffnen am 1. und 5. Mai ihre Weinkeller. Der «Züritipp» besuchte vorab einen von ihnen.

Winzer Urs Pircher in seinen Reben in Eglisau, mit Sicht auf den Rhein.

Winzer Urs Pircher in seinen Reben in Eglisau, mit Sicht auf den Rhein.

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210 Deutschschweizer Winzer öffnen am 1. und / oder 5. Mai ihre Keller, im Kanton Zürich sind es über 70. Manche Weinbauern funktionieren ihre Keller auch zu kleinen Besenbeizen um. Was vor über zehn Jahren als private Initiative einiger Zürcher Winzer begann, wird heute vom Branchenverband Deutschschweizer Wein organisiert.

Informationen: www.offeneweinkeller.ch

Ein Weintrinker, der ins Piemont oder nach Bordeaux fährt, wird es sich kaum nehmen lassen, auf einem Weingut reinzuschauen. So weit muss man für Kellerbesuche bei Topwinzern gar nicht reisen, denn auch im Kanton Zürich werden mittlerweile Spitzenweine produziert. Am 1. Mai öffnen über 70 Winzer im Kanton ihre Keller (siehe Box). Einer von ihnen ist Urs Pircher aus Eglisau. Er ist mitverantwortlich, dass man sagen kann: Im Kanton Zürich gibts auch tollen Rotwein, der weltweit mithalten kann. Die «Welt am Sonntag» etwa schrieb Anfang Jahr von seinem «Ausnahmewein». Wir trafen Pircher zu einem Glas Blauburgunder.

Herr Pircher, wieso hat der einheimische Rotwein bei vielen Konsumenten noch immer einen so schlechten Ruf?
Kenner wissen, dass einheimischer Rotwein top sein kann. Konsumenten jedoch, die das Vorurteil von saurem Landwein haben, begegneten genau diesem zu lange. Da reichte es, wenn sie einmal eine Pfütze im Glas hatten, und ihr Vorurteil war auf Jahre hinaus wieder besiegelt. Es hat zu lange gedauert, bis Zürcher Winzer flächendeckend Qualitätswein produzierten.

Wieso schaffen es denn die lokalen Winzer heute, guten Wein zu produzieren?
Guter Wein entsteht vor allem im Rebberg. Bis in die Achtzigerjahre setzte man auf maximalen Ertrag. Ertragsregulierung aber ist wichtig: Man schneidet unreife Trauben von den Stöcken, erntet dann zwar weniger, dafür bessere Trauben. Die Klimaerwärmung ist sicher tendenziell eher ein Pluspunkt, aber nicht zentraler Grund für den besseren Zürcher Wein.

Ihr Blauburgunder wurde 2009 am Mondial du Pinot noir zum weltbesten gewählt. Viele denken, dass nur Reben im Süden guten Rotwein bringen.
Für manche Trauben ist es gut, wenn sie lange am Stock bleiben. Die besten Weinbaugebiete wie Bordeaux oder Burgund liegen ja auch nicht sehr weit südlich. Und auch bei Überseewein sind höhere Lagen angesagt, man spricht von Cool-Climate-Wein. Unser Cool Climate ist also eigentlich ideal für Topwein, gerade beim Blauburgunder.

Heisst das, Touristen, die nach Zürich kommen, machen bald Wein- statt Schiffstouren?
Natürlich gibt es noch Potenzial. Man muss schon etwas tun, um auf sich aufmerksam zu machen im harten Weinmarkt. Wir sind aber derzeit hauptsächlich ein Produktionsbetrieb, ohne grosse touristische Infrastruktur. Ich geniesse es, dass ich mich vorrangig um Reben und Kelterung, also um die Weinqualität, kümmern kann – und sich der Wein quasi selber verkauft. Eine nächste Generation wird sicher mehr ins Marketing investieren müssen.

Sie haben ja bestimmt auch noch Pläne.
2013 pflanze ich 40 Aren Riesling. Wir haben zwar keine Schieferböden wie die Deutschen. Aber ich hoffe trotzdem, dass mein Wein einstweilen so gut sein wird wie der aus dem Nachbarland.

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1 KOMMENTARE

Matthias Zürcher

30.04.2012, 10:53

Ein Grund für die negative Haltung vieler Leute gegenüber dem Landwein ist wohl auch, dass dieser in Restaurants leider sehr oft zu warm serviert wird. Da sollte der Wirteverband einmal seine Mitglieder informieren, welche Temperatur die richtige wäre.



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