Tages-Anzeiger



Theater Neumarkt

«Wir sind ein öffentlicher Raum»

Interview: Corina Freudiger. Aktualisiert am 25.09.2013

Diese Woche startet die neue Besatzung am Neumarkt. Intendant Peter Kastenmüller über seine Ankunft, seine Idee von Theater und warum er eine Freikirche besuchte.

Sein Theater soll kein Elfenbeinturm sein: Der Münchner Peter Kastenmüller, neuer Intendant am Neumarkt.

Sein Theater soll kein Elfenbeinturm sein: Der Münchner Peter Kastenmüller, neuer Intendant am Neumarkt.

Theater Neumarkt

Adresse: Neumarkt 5
8001 Zürich
Telefon: 044 267 64 64
Url: http://www.theaterneumarkt.ch

Mit Peter Kastenmüller sprach Corina Freudiger

Ihre erste Spielzeit am Neumarkt-Theater handelt vom Ankommen. Sind Sie gut in Zürich angekommen? Ja, das war wirklich ein Bombensommer, ein Riesenwelcome, alle waren wahnsinnig nett zu mir. Schauen wir, wie es weitergeht, wenn das Wetter schlecht wird und die Spielzeit begonnen hat. (lacht)

Was machen Sie am Neumarkt anders als Ihre Vorgänger Barbara Weber und Rafael Sanchez? Mich interessieren eher Themen, weniger eine Ästhetik oder eine Attitude. Ich hab mich für dieses Theater beworben, weil hier der Gestaltungswille unglaublich hoch ist und eine gewisse künstlerische Freiheit herrscht. Diese Saison werden in drei grossen Festivals, die je drei Monate dauern, verschiedene Künstler sich einem Thema verschreiben und das Theater dreimal komplett verwandeln.

Was könnte schwierig werden in Zürich? Ich bin neugierig, ob es uns gelingt, unsere Projekte auch gut zu vermitteln. Wir sind ja nicht ein Schaustellerbetrieb, wo es heisst: «Setzt euch, schaut zu und tschüss.» Wir sind ein öffentlicher Raum, wir wollen einladen, Dinge miteinander verbinden. Das darf keine versponnene Elfenbeinturm-Geschichte sein. Wir müssen erklären, warum wir was für wichtig halten.

Und wie vermitteln Sie das? Indem wir Leute kennen lernen, Partnerschaften eingehen, ein Netzwerk aufbauen. Ich habe in Berlin ein Projekt gemacht zum Thema Schule. Wir gingen da nicht hin und sagten: «Schaut euch ein Stück von uns an», sondern wir haben mit denen gemeinsam Kunst produziert. Und hier in Zürich war ich eben zu Besuch in einer Freikirche

In einer Freikirche? Weil unser Thema das Ankommen ist. Das sind regelrechte Manager des Ankommens; die helfen sich untereinander, da kann jedes Migrationsamt neidisch werden. Mich interessiert es, an solch ungewöhnlichen Orten Kontakte zu knüpfen. Wir erfahren was von denen, die erfahren was von uns. So lernt man eine Stadt kennen.

Sie haben sich mit Stadtprojekten wie jenem in der Schule einen Namen gemacht. Da generieren Sie Text und Stoff jeweils selber. Ihre Eröffnungspremiere basiert nun aber auf einem bestehenden Werk, einem Film von Luchino Visconti. Ja. «Rocco und seine Brüder» handelt von fünf jungen Männern, die mit dem Ankommen in der Moderne umzugehen versuchen. Ich würde nie mit einem Stadtprojekt beginnen, so was braucht eine lange Zeit der Vorbereitung und des Kennenlernens. Ich erhoffe mir von unserer ersten Spielzeit solche Kontakte.

Wo lernt man Sie kennen? An der Bar? Zum Beispiel. Ich freue mich, dem Publikum zu begegnen. Die Leute im Niederdorf, die gucken jetzt schon, die wollen wissen, was wir Neuen für welche sind. Das gefällt mir.

Peter Kastenmüller (1970) ist der neue Intendant am Theater Neumarkt. Der gebürtige Münchner inszenierte unter anderem an den Münchner Kammerspielen, am Maxim-Gorki-Theater, am Theater Basel. Mit seinen Stadtprojekten machte er sich auch ausserhalb der grossen Häuser einen Namen. Zusammen mit dem Co-Leiter, dem Dramaturgen Ralf Fiedler, und einem sechsköpfigen Ensemble wird er das künftige Geschehen am Neumarkt prägen. Programm «Rocco und seine Brüder»: Do (Premiere), Mo, Mi 20 Uhr «1, 2, 3 viele!» von Schorsch Kamerun: Sa, Di 20.30 Uhr Eintritt 20–45 Franken

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