Vom Kontakt der Körper
Von Corina Freudiger. Aktualisiert am 02.02.2012
Was gibts Besseres als Körperkontakt! Da werden Endorphine und Glückshormone freigesetzt, Stresshormone abgebaut und das Selbstvertrauen gestärkt. So sagen es wissenschaftliche Studien. Wie dumm sind also alle, die von diesem körpereigenen Gratisglücksmechanismus nicht Gebrauch machen! Wie doof die, die in einer stark individualisierten und zunehmend digitalisierten Gesellschaft leben und auf Körperkontakt immer häufiger verzichten. Was kommt uns da alles abhanden, uns, die wir auf Facebook rumfreunden, auf Coop.ch rumshoppen und auf Youporn.com Sex haben!
Das fragen sich Diana Rojas und Martin Schick und machen sich in ihrem Projekt «200 mm» daran, die Gesetze des körperlichen Miteinanders zu erforschen. Da beide der spielerischen Theaterform zugeneigt sind – Rojas bewies dies mehrfach mit ihrer Gruppe Mandarina und Co., Schick zuletzt mit seinem Erfolgsabend «CMMN SNS PRJCT» –, ist auch in diesem Stück kein dumpfes Zuschauertum möglich. Hier macht das Publikum mit! «Man kann auch wählen, nicht zu partizipieren», sagt Rojas, «doch auch die Rolle des Zuschauens wird thematisiert.» Und natürlich ist mitmachen hier nicht nur erhellend, sondern auch lustig. Man kommt etwa in den Genuss eines Körperkontaktfähigkeitstests, darf auswählen, ob man den Erfahrungsparcours als Mann oder als Frau durchleben will, und lernt einiges über den Marktwert des Körpers. Und man kommt sich generationenübergreifend näher, etwa beim Paartanz.
In Aarau feierte «200 mm» letzte Woche Premiere – und funktionierte bestens: «Am Anfang waren die Leute schüchtern, manche sogar irritiert», so Rojas, «doch dann haben sie aufgemacht. Es war grossartig. Wie ein Feuerwerk!» Ihre Vermutung sei bestätigt worden: «Unsere soziale Distanz beruht auf gesellschaftlichen Konventionen.» Und die, sagt Rojas, könne man jederzeit infrage stellen – und umgehen.
Mittwoch, 8. Februar, Clubraum, Rote Fabrik.



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