Tages-Anzeiger



Bühne Aktuell Theater Kanton Zürich

Unheiliger Abend

Von Julia Stüssi. Aktualisiert am 10.12.2010

Das Theater Kanton Zürich packt Alan Ayckbourns Weihnachts-Desaster in einen bissigen, unterhaltsamen Volkstheater-Abend.

Bild: Tanja Dorendort / T+T Fotografie

Theater Kanton Zürich

Adresse: Scheideggstrasse 37
8401 Winterthur
Telefon: 052 212 14 42
Url: http://www.theaterkantonzuerich.ch

Engel, Lametta und Kerzenlicht schön und gut, aber seien wir ehrlich: An Weihnachten liegen die Nerven blank. Das weiss auch der britische Dramatiker Alan Ayckbourn, der Menschen am Rand des Nervenzusammenbruches so bissig und so witzig wie kein anderer zeichnet. Seine Komödie «Frohe Feste» handelt von einer unheiligen Dreifaltigkeit: Drei Paare, die gemeinsam in drei aufeinanderfolgenden Jahren drei desaströse Weihnachtsfeiern veranstalten. Die Bühne des Theaters Kanton Zürich gibt den Blick jedoch nicht auf das eigentliche Fest frei, sondern auf die Küche der jeweiligen Gastgeber, Rückzugsort und heimliches Zentrum des Geschehens.

In der sterilen, proper-spiessigen Einbauküche putzt sich Sidneys Frau Jane im ersten Jahr fast um den Verstand, der soziale Aufstieg soll glücken: Keinesfalls darf sich ihr Mann heute ihretwegen blamieren. Denn Sidney, jung und ambitioniert und ziemlich nervig, will seine arrivierten Gäste um jeden Preis für sich einnehmen, besonders seinen potenziellen Geldgeber, den Bankier Ronald. Natürlich gerät die Situation aus dem Ruder, und zwölf Monate später ist wieder Weihnacht. Die zweite Gastgeberin hat ihre Contenance längst verloren. In der schwarz-roten Designküche probiert sie alle möglichen Suizidarten durch, verhindert nur durch unbewusstes Eingreifen ihrer Gäste. Noch ein Jahr, und die Spielkarten der Macht sind umverteilt …

Wer Lust hat auf einen sehr lustigen Theaterabend mit handfestem Plot und aufblühenden Schauspielern, sollte sich die Inszenierung von Rüdiger Burbach, dem Intendanten des Theater Kanton Zürich, nicht entgehen lassen. Denn das zeitgenössische Volkstheater ist frisch geworden und unterhält. Weihnachten zum Schieflachen, mit einer Note Boshaftigkeit und mehr als nur einer Prise Abgrund. Fast wie zu Hause.

Do (Premiere), Fr, Sa 20 Uhr, So 19 Uhr. Bis 12.1.2011

Eintritt 15 / 30 Franken

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