Tages-Anzeiger



Die Fledermaus

Tun als ob

Von Bruno Rauch. Aktualisiert am 21.12.2016

Sie flattert wieder – die Fledermaus von Johann Strauss. Im Theater Neumarkt jedoch auf recht überraschende Weise.

Diese Partygesellschaft sehnt sich nach Glanz und Eleganz.

Diese Partygesellschaft sehnt sich nach Glanz und Eleganz.

Die Fledermaus

Location

Name: Theater Neumarkt
Adresse: Neumarkt 5
8001 Zürich
Telefon: 044 267 64 64
Url: http://www.theaterneumarkt.ch

Infos

Datum und Uhrzeit

Donnerstag, 19.01.2017 20.00
Samstag, 21.01.2017 20.00

Website

http://www.theaterneumarkt.ch

Beschreibung

Operette von Johann Strauss, Regie: Friederike Heller, Musikalische Leitung: Markus Reschtnefki, mit Simon Brusis, Martin Butzke, Miro Maurer u. a.

«Die Fledermaus», die Wiener Operette schlechthin, wird dank Schmiss und Schmäh gern zum Jahresende aufs Programm gesetzt. Originell ist also nicht: dass – entscheidend ist: wie! Das zeigt sich schon bei der instrumentalen Besetzung mit Klavier, Vibrafon, Gitarre und Schlagwerk, was in ganz entfernte musikalische Gefilde führen kann.

Die Regisseurin Friederike Heller, die selbst «haarscharf» Musikerin geworden wäre, ist unter anderem fasziniert von der Niedertracht und der Verlogenheit der Akteure, die jedoch mit «dem Goldschimmer der eingängigen Melodien» kredenzt werden. Für Heller hat diese doppelbödige Operette durchaus Ähnlichkeiten mit dem brechtschen Theater. Darum sieht das Regiekonzept auch Theater im Theater vor: Die grossbürgerliche Gesellschaft spielt sich was vor: Ein Lover wird für den Ehemann gehalten und eingelocht. Rosalinde gibt eine ungarische Gräfin, ihr Mann tritt als Marquis auf. Am krassesten treibts das Stubenmädl Adele, das nicht nur in die Tournüre ihrer Gnädigsten schlüpft, sondern in verschiedenste Rollen von der «Unschuld vom Lande» bis zur «Dame von Paris».

«Tun als ob» lautet die Parole. Das Stück spielt auf fast leerer Bühne; Glanz und Eleganz sind die Sehnsucht. In dieselbe Richtung zielen die Doppelbesetzungen, zielt die Unschärfe bei den Geschlechtern. Und dazu passt es, dass es Schauspieler sind, die singen – mit vollem Einsatz und genuin augenzwinkerndem Charme. Schlussendlich bleibt die Frage nach der Identität, der verlorenen, der zerbrochenen, der nie gehabten. Und alle reiben sich verkatert die Augen und fragen sich, ob sie je wieder zurückfinden. Da sind wir wieder ganz nah am Original, selbst wenns für eingefleischte Operettianer mitunter ungewöhnlich klingt. «Grossartig wäre, wenn das wohlbekannte Werk mit frischen Ohren gehört würde», wünscht sich Friederike Heller.

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