Spektakuli: Ruhm in der Krone
Von Bruno Rauch. Aktualisiert am 27.05.2010
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Jedes Jahr zur Spargelzeit das gleiche Dilemma: Grün oder Weiss? Vinaigrette oder Mayonnaise? Quatsch! Die Frage lautet vielmehr: Was aus dem vielseitigen Spektakuli-Programm auswählen? Stand-up? Conférence? Musikkabarett? Slam- Poetry? Oder wie wärs mal wieder mit klassischem Wortkabarett in der Tradition von politischen «Stachelschweinen», «Wühlmäusen» und anderen grossen, tierisch guten Ensembles?
Graue Wölfe, Grüne Schnäbel
Zum Beispiel mit dem genialen «Ersten Deutschen Zwangsensemble». Das Trio infernal besteht aus Mathias Tretter (1972), Claus von Wagner (1977) und Philipp Weber (1974). Die drei bösen Buben treten zwar auch solistisch höchst erfolgreich auf; gemeinsam jedoch katapultieren sie sich in die dritte Potenz. Und nach dem Erhalt multipler Preise, zuletzt des Deutschen Kleinkunstpreises 2010, Sparte Kabarett, ist ihnen der Ruhm sowieso total in die Krone gestiegen, wie sie selbst verlauten lassen. Beschränkten sie sich nämlich in ihrem ersten gemeinsamen Auftritt «Mach3» noch darauf, das deutsche Nest zu besudeln, so schicken sie sich mit ihrem jetzigen Programm «Die letzte Tour» an, der Weltseele ein Auge aus- oder zumindest blau zu schlagen. Mit andern Worten: Sie hauen mit erbarmungsloser Pointendichte da drauf, wos echt wehtut. Patchworken sich als Bier saufende odenwäldische Buddhisten eine krude Heilsesoterik zusammen. Berichten als eiskalte Söldner aus Afghanistan und als tütenklebende Banker ausdem Knast. Und lassen - worauf sie sich mental intensivst vorbereiten - auf offener Bühne buchstäblich die Hose runter, hocken aufm Reichstagsklo - da, wo die Politkacke voll dampft.
Bissig, klug und subversiv ist auch das Münchner Duo Jochen Busse (1941) und Henning Venske (1939), zwei Kabarettfossile, die das Alter kein bisschen milder hat werden lassen. Ihr «Lach-und-Schiessgesellschaft»-geprüftes Programm «Inventur» spannt einen eloquenten Bogen von der Demokratieverdrossenheit der alten Griechen über Rousseaus Contrat social bis hin zu den Wahlschlachtfeldern der Gegenwart.
Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage nach dem Entweder-oder kann also nur lauten: sowohl als auch! Zehn Tage lang!
Spektakuli: Do 27.5 bis Sa 5.6 www.millers-studio.ch «Erstes Deutsches Zwangsensemble»: Di 1.6., Mi 2.6., 20.30 Uhr Henning Venske, Jochen Busse: Mi 2.6., Do 3.6., 20 Uhr



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