Tages-Anzeiger



Bühne Aktuell Schauspielhaus Pfauen

Skandale, Skandale

Von Bruno Rauch. Aktualisiert am 16.12.2011

Elfriede Jelinek macht aus Oscar Wildes Komödie «An Ideal Husband» eine bissige Politsatire.

Irgendetwas haben die beim Warten auf Sir Chiltern ausgefressen, diese beiden Lords und das Dienstmädchen.

Irgendetwas haben die beim Warten auf Sir Chiltern ausgefressen, diese beiden Lords und das Dienstmädchen.
Bild: Tanja Dorendorf/T+T Fotografie

Schauspielhaus Pfauen

Adresse: Rämistrasse 34
8001 Zürich
Telefon: 044 258 77 77
Url: http://www.schauspielhaus.ch

Reizvolle Koinzidenz: Unlängst hatte Elfriede Jelineks Bearbeitung von «An Ideal Husband», der wohl besten Komödie von Oscar Wilde, Premiere im Wiener Akademietheater – in der Regie von Barbara Frey. Letztere lässt nun als Schauspielhaus-Intendantin das brandneu-alte Stück (das Original stammt von 1894) am eigenen Haus nachspielen, in der Inszenierung von Tina Lanik, die erstmals in Zürich arbeitet.

Jelinek hatte ihre Fassung mit handfesten Anspielungen auf das österreichische Klatschspaltenpaar Grasser-Swarovski gespickt und Frey das zum Gaudi der Wiener genussvoll ausgekostet. Auch wenn es hierzulande an vergleichbar schillernden Figuren fehlt – Grasser ist skandalumwitterter ehemaliger Finanzminister, Swarovski Millionenerbin der gleichnamigen Glitzertand-Firma – trägt das Stück gleichwohl. Denn zu pointiert und gekonnt haben Wilde-Jelinek ein Soziogramm aus der Welt der Schönen, Reichen und Mächtigen zur Darstellung gebracht.

Ob die Protagonisten der österreichischen Schickeria entstammen oder ob die Eiertänzer Clinton, Strauss-Kahn und Friedmann und deren Gattinnen Hillary, Anne oder Bärbel heissen: Die Machenschaften, gewürzt mit einem gehörigen Schuss Sex, bleiben dieselben. Das peinliche Strickmuster um wirtschaftliche und politische Macht, die Skandale und Vertuschungsmanöver sind identisch, hüben wie drüben.

Das Stück von Wilde-Jelinek um den von seiner etwas naiven Frau masslos bewunderten Staatssekretär Sir Robert Chiltern, der sein Vermögen durch ein Insidergeschäft gemacht hat und nun von der Vergangenheit in Gestalt der in vielerlei Hinsicht zwielichtigen Mrs Cheveley eingeholt wird, ist ein Fest für hochkarätige Schauspieler. Am geneigten Publikum wird es liegen, die Bezüge zu bekleckerten weissen Westen im In- und Ausland herzustellen. Doch selbst ohne konkrete Vorbilder verspricht die geistvolle Rhetorik des viktorianischen Autors kombiniert mit dem unzimperlichen Zugriff der österreichischen Nobelpreisträgerin ein deliziös-maliziöses Schauspiel. Skandalös sind die Geschehnisse allemal; und somit höchst unterhaltend.

Infos: www.schauspielhaus.ch

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