Tages-Anzeiger



Frivoler Ernst

Von David Sarasin. Aktualisiert am 16.11.2016

Das Musical «Cabaret» ist zwar vergnügt, reflektiert aber auch Themen wie Rassismus. Die Macher waren nun selber damit konfrontiert.

Fabienne Louves und Michael von der Heide machen eine Zeitreise.

Fabienne Louves und Michael von der Heide machen eine Zeitreise.


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Es gibt mindestens zwei Gründe, warum sich der Zürcher Regisseur Dominik Flaschka für das Musical «Cabaret» entschieden hat. Der erste ist harmlos: Das gefeierte Stück um einen jungen Amerikaner, der im Berlin der 20er-Jahre in einem verruchten Cabaret eine Zuflucht findet, feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Der zweite Grund ist ernst. «Das Stück ist zwar alt, doch Themen wie Rassismus und Ausgrenzung, die den Hintergrund zu ‹Cabaret› bilden, sind noch immer präsent», sagt Flaschka.

Noch vor der Premiere hat sich diese Tatsache für die Truppe nun bestätigt. Als das Bernhard- Theater auf seiner Facebook-Seite ankündigte, dass die dunkelhäutige Schauspielerin Fabienne Louves den Part der Hauptfigur, der Tänzerin Sally ­Bowles, übernehmen werde, ernteten die Macher «extreme rassistische Äusserungen», wie Flaschka sagt. «Für die Schauspieler war diese direkte Konfrontation ein Stress.» Doch damit nicht genug: Michael von der Heide, der den exzentrischen und narzisstischen Conférencier spielt, sah sich jüngst aufgrund seiner Homosexualität mit Morddrohungen seitens einer rechtsradikalen Band konfrontiert. «Solche Sachen gabs schon immer, aber nun sind sie wieder sichtbarer», sagt Flaschka.

Doch der Regisseur will sich die Stimmung deswegen nicht vermiesen lassen. Im Gegenteil: «Das Stück möchte in erster Linie unterhalten», sagt er. Die vom Ragtime und frühen Jazz inspirierte Musik John Kanders spricht eine vergnügte Sprache, ebenso die ausgelassenen, revueartigen Nummern im Kit-Kat-Club, welche die Handlung einrahmen. Die auf den autobiografischen Schriften Christoph Isherwoods beruhende Geschichte hat am Broadway zahlreiche Preise eingespielt und wurde in den 70ern erfolgreich verfilmt – mit Liza Minelli in der Hauptrolle. «Die Frivolität und die wiedergewonnene Freiheit nach dem Krieg sind das zentrale Element», sagt Flaschka. «Umso schöner, wenn wir gleichzeitig auf ein ernstes Thema hinweisen können.»

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