Tätätätäää!
Von Corina Freudiger. Aktualisiert am 18.01.2012
Klassikfreunde und Comedyfans haben das Heu nicht auf derselben Bühne. Könnte man meinen. Wenn das Heu aber «Im Orchester graben» heisst, verhält sich die Sache etwas anders. Für diese Produktion hat das hitbegabte und fanreiche Clownduo Ursus und Nadeschkin nämlich ein ganzes Sinfonieorchester – die Camerata Schweiz – auf die Bühne gebeten und sich in Frack und Fliege gestürzt. Während Dirigentin Graziella Contratto (die für ihre schauspielerlische Leistung einen Extraapplaus verdient) mit den Musikern der Camerata hinten ernsthaft versucht, Beethovens Fünfte zu spielen, sorgen der lange Gründliche und das Grossmaul in Gelb dafür, dass vom Bühnenrand vorne aus alles mehr oder weniger schön orchestriert den Bach runtergeht.
Kaum gerät der Dirigentenstab etwa in die Hand von Ursus, verrutschen Beethovens Harmonien höchst dissonant in alle Richtungen des Notenblatts. Später wird die Sinfonie auch mal tonhalleuntauglichst rückwärts gespielt – und die musikwissen- schaftlichen Grundkenntnisse der beiden Clowns sind so grottenschlecht, dass es zum Zuschauen natürlich ein Vergnügen ist.
Diese Fusion von Ton- und Humorprofis ist ein Riesenerfolg, das zeigen die Zahlen: 33 000 Zuschauer haben «Im Orchester graben» bereits gesehen, für die Wiederaufnahme mussten bereits Zusatzvorstellungen her.



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