Die Rache der Dinge
Von Sarah Stähli. Aktualisiert am 25.01.2012
«Ich zeige dir und all euch Weibern, wie man einen Haushalt macht!» Dieser Satz wird dem Bauern Darry Berrill zum Verhängnis. Im Streit mit seiner Frau Lizzie, die sich wieder einmal über zu hohe Wäscheberge beklagt, entfährt es ihm: «Ich würd dir zeigen, was für eine ruhige Kugel du hier schiebst, während ich dort auf den Feldern schwitze.» Gesagt, getan. Die Bäuerin macht sich auf, die Wiese zu mähen, während ihr besserwisserischer Mann den Haushalt schmeissen soll. Ein fairer Plan – wenn Darry nur nicht zwei linke Hände hätte. Als dann auch noch der trottelige und absolut unfähige Nachbar Barry Derrill ins Haus schneit, ist das Desaster komplett. «Barry stürzt ab wie Ikarus und geht im Haushalt unter; eine häusliche Katastrophe», so der Zürcher Regisseur Felix Prader, der den Einakter «Das Ende vom Anfang» des Iren Sean O’Casey im Theater Kanton Zürich slapstickreich auf die Bühne bringt. «Je grösser die Katastrophe, desto komischer das Unglück.»
Bei den Berrills geht früher oder später alles in Bruch, was in Bruch gehen kann: «Slapstick beginnt dort, wo man so im Stress ist, dass man sein Fehlverhalten auf die Gegenstände überträgt, die man in die Hand nimmt», meint Prader. «Irgendwann rächen sich die Dinge, und dann geht eben alles kaputt.»Als Lizzie von der Feldarbeit nach Hause kommt, hat ihre Prophezeiung – «Hättest du nur halb so viel zu tun wie ich, am Abend lägst du tot in einem Trümmerhaufen» - konkrete Formen angenommen: Die Kuh steckt im Kamin fest, die Wäsche ist schmutziger als je zuvor, und das Haus steht kurz vor dem Einsturz. Auch in Zeiten, in denen Hausmänner zum guten Ton gehören, ist dieser missglückte Rollentausch immer noch unglaublich lustig. Doch Prader, der am Theater Kanton Zürich zuletzt «Die Grönholm-Methode» inszeniert hat, betont, dass er in seiner Inszenierung trotz der urkomischen Situationskomik nicht den reinen Klamauk suche: «Unser Ziel ist nicht die Zirkusnummer.» Es gehe auch um die Unfähigkeit, miteinander zu sprechen und die Schwierigkeit, mit sich, seinem Gegenüber und den Dingen klarzukommen. «Das ist traurig-komisch. Für mich ist O’Casey eine Art volkstümlicher Beckett.»
Do (Premiere) / Fr / Sa 20 Uhr, So 19 Uhr. Eintritt 10–30 Franken.



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